Rezension Thomas Nehlert: „Das Phänomen NASCAR“ und „Das Phänomen NASCAR 2“ - Autor: Pete Fink, Eigenverlag Pete Fink, München, 2012 und 2015

Der amerikanische Motorsport unterscheidet sich grundsätzlich vom europäischen. Spielen bei uns die Formel 1 und die Touren- und Sportwagen mit Rennen auf Rund- und Straßenstrecken die wichtigste Rolle, so interessieren sich die US-Amerikaner vornehmlich für die Läufe der NASCAR Cup Series mit Stock Cars von 750 bis 800 PS auf Ovalkursen. Es wäre auch falsch, diese Form des Autosports als primitives „Fahren im Kreis“ abzutun. Die Leistungsanforderungen an die Fahrer liegen hoch, was nicht zuletzt durch die sehr dürftigen Ergebnisse belegt wird, die von Fahrern aus anderen Motorsportformen erzielt wurden. Nur beispielhaft seien hier Jacques Villeneuve und Juan-Pablo Montoya erwähnt. 

Wer sich mit den Rennen der NASCAR Series einmal genauer befasst hat, kommt von diesen Veranstaltungen kaum noch los. Nicht weniger als jährlich 36 Rennen mit jeweils 40 Teilnehmern umfasst die Meisterschaft, die in einem Play-Off-System in den letzten zehn Rennen entschieden wird. Nur zweimal treten die gewaltigen Fahrzeuge außerhalb von Ovalstrecken an, nämlich in Sonoma in Kalifornien und in Watkins Glen nicht weit von New York. Die Rennen sind im Grunde Langstreckenläufe mit Distanzen von 250 bis zu 600 Meilen. 

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Die hier vorgestellten Bücher sind zur Zeit die einzige deutschsprachige Literatur über den faszinierenden Sport mit Stock Cars. Pete Fink, Spezialist für den amerikanischen Motorsport und Kommentator bei zahlreichen Fernsehübertragungen der NASCAR-Serie, hat mit seinen beiden Bänden wirklich eine Pflichtlektüre für die stetig wachsende NASCAR-Fangemeinde verfasst. Im ersten Band beschreibt Fink die Geschichte der NASCAR in 20 Kapiteln so detailreich, so tiefgründig und doch so unterhaltsam, dass man die 400 Seiten am liebsten gleich in einem Zug durchlesen möchte. 

Die Stock Car Rennen hatten ihre Wurzeln in den Verfolgungsjagden, die sich die Schmuggler des zur Zeit der Prohibition des nachts in North und South Carolina schwarz gebrannten Whiskys mit der Polizei geliefert hatten. Diese "Bootlegger" benötigten für den Transport des sogenannten "Moonshine" immer stärkere Limousinen. Es ist unglaublich, wie viele Hintergrundgeschichten, Fahrerbiografien und Rennverläufe nachgezeichnet werden. Die Entstehung der Stockcar-Rennen ist zugleich ein hoch interessanter Teil amerikanischer Geschichte, und die Darstellung der Entwicklung und des Wachstums dieses Motorsports macht deutlich, dass NASCAR in dieser Art und in diesem Umfeld so nur in den Vereinigten Staaten möglich war und ist. Im ersten Band wird die NASCAR-Historie sehr pointiert und fesselnd bis zum Ende der Saison 2011 erzählt - von Junior Johnson über Richard Petty und David Pearson, Dale Earnhardt und Darrell Waltrip, Jeff Gordon und Jimmy Johnson bis zu Dale Earnhardt Junior und Tony Stewart - von der Markenvielfalt am Anfang über das Auftreten der großen Werke bis zur heutigen Zeit der großen und teilweise schon legendären Teams. Da bleibt keine Frage unbeantwortet und selbst der interessierte NASCAR-Fan erfährt mit Sicherheit noch viel Neues. 

Das Buch "Das Phänomen NASCAR 2" schließt nahtlos an den ersten Band an. Der Leser wird in 18 Kapiteln auf wiederum 400 Seiten durch die Jahre 2012 bis 2014 geführt und erfährt erneut unzählige Details und Hintergrundgeschichten bis hin zum Titelgewinn Kevin Harvicks. Einzelne Kapitel widmen sich Danica Patrick, Brad Keselowski, Mark Martin und natürlich Jimmie Johnson, der 2016 seinen siebten Titel erringen konnte. Fink schreibt auch über die vielversprechenden Nachwuchstalente, die Nationwide Series - die nun Xfinity Series heißt - als zweiter Liga und die Camping World Truck Series. Ausführlich wird auch auf die technischen Aspekte wie das Gen6 Car eingegangen. Ebenso fehlt es nicht an einer in die Tiefe gehenden Darstellung des nicht ganz unumstrittenen neuen Chase-Formats im Play-Off-Stil. 

Von ganz besonderem Reiz ist das Kapitel über die Entwicklung der NASCAR-Übertragungen im deutschsprachigen Fernsehen. Für viele Leser der Höhepunkt dürften aber 30 Seiten mit wertvollen Tipps und Ratschlägen für Reisen in die USA zu den NASCAR-Rennen sein. Hier hat der Münchner Autor viel Wissen und Erfahrung zusammengetragen, so dass einem Ausflug zu einem oder mehreren Stock Car Rennen kaum noch etwas im Wege stehen sollte; denn so sehr die Live-Übertragungen auf MotorvisionTV auch begeistern, nichts kann das unmittelbare Erlebnis eines NASCAR-Rennens vor Ort ersetzen. 

 #Start_Bristol_NightRace_2014
In diesem Zusammenhang sei besonders auf das erste Kapitel im ersten Band hingewiesen, in dem Pete Fink seinen Eindruck von dem schier unglaublichen Halbmeilen-Oval in Bristol im Bergland von Tennessee beschreibt. Ein von hohen Tribünen vollkommen umschlossenes Oval mit etwa 165.000 Plätzen - wenn dort beim Start von vierzig V8-Stock-Cars unter ohrenbetäubendem Lärm die Luft und sogar der Boden in Schwingungen geraten, wenn dieses Fahrzeugfeld auf einem nur 800 m langen Kurs 500 Runden unter Flutlicht in Angriff nimmt, dann wird dem Zuschauer bewusst, dass eine Steigerung motorsportlicher Faszination nicht denkbar ist. Ich weiß es, denn ich war selbst einmal da. 

Abgerundet werden beide Bücher jeweils durch einen 32seitigen abwechslungsreichen Bildteil mit 60 bis 70 Fotos, die aber nur eine Ergänzung des von Begeisterung und Kompetenz getragenen Textes sind. Beide Bände sind im Buchhandel zu erwerben; empfehlenswert ist aber auch eine Bestellung über die Website von Pete Fink, weil man dann die Bücher auf Wunsch auch vom Autor handsigniert bekommt.

Thomas Nehlert

Autor: Pete Fink 
Verlag: Pete Fink, 2012 und 2016 
Format: Hardcover, 15,5 x 23,5 cm 
Umfang: jeweils 400 Seiten Text und 32 Seiten mit 60-70 Fotos 
Text: Deutsch 
Preis: je € 34,95 
Vertrieb: Überall im Buchhandel und
info@pete-fink.com 
Fotos: Archiv Thomas Nehlert



Rezension Thomas Nehlert: "Route 66 – Reisen auf der berühmtesten Straße der USA" – Autor und Fotograf: Freddy Langer, Knesebeck Verlag München, 2016

Das ist kein Reiseführer und auch keiner der üblichen Bildbände. Dieses Buch enthält keine Straßenkarten und keine Hotellisten. Und dennoch erfährt der Leser sehr viel mehr über diese Straße und über die USA als in den meisten anderen so zahlreichen und sich häufig wiederholenden Veröffentlichungen über die Route 66. Der Autor und Fotograf Freddy Langer hat diese legendäre Straße nicht nur in voller Länge befahren, er hat auch an ihr gelebt. Und er hat Geist und Seele dieser Verbindung von Chicago nach Los Angeles aufgesogen und gibt seine Eindrücke nun sehr plastisch und authentisch wieder. 

Durch acht Bundesstaaten führt die Route, und Staat für Staat - Illinois, Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, Neu Mexiko, Arizona und Kalifornien - erfahren wir durch essayistisch verfasste Begebenheiten und Begegnungen, was eine Reise dieser Art so interessant und faszinierend macht. Denn Freddy Langer gibt nicht nur wieder, was er gesehen und erlebt hat; vielmehr lässt er die Menschen, die an dieser Straße leben und dort auch ihrem Beruf nachgehen, zu Wort kommen: die Bedienung in einem Restaurant, den MotelBetreiber, den Tankstellen-Pächter, den Biker, den Besitzer eines Food Markets und einfach auch zahlreiche Anwohner. Diese sehr vielschichtigen großen und kleinen Persönlichkeiten geben der Straße ihre Prägung. Ihre Erfahrungen, Enttäuschungen und Wünsche sind eingebettet in Langers fast beiläufig und doch so eindrucksvoll wiedergegebene Geschichte der Route 66 und der USA. Der Leser kann so den Traum dieses großen Landes nachvollziehen, der aber zu oft auf ganz unterschiedliche Weise unerfüllt blieb und gerade in diesen Tagen ein zutiefst gespaltenes Land hinterlassen hat. In der Konsequenz führen Langers Überlegungen dennoch nicht zu einem Verzweifeln, sondern auf sehr realistische Weise zu einem immer wieder neuen Hoffen. Das liest sich alles so spannend, dass man überhaupt nicht aufhört, mit dem Autor weiterzufahren, sich immer wieder neue Geschichten und Erfahrungen zu vergegenwärtigen - bis man schließlich am Santa Monica Pier in LA ankommt. 

Aber Langer lässt denjenigen, der auch ein paar praktische Ratschläge für seine Reiseplanung sucht, nicht allein. Auf acht Seiten am Ende des Buchs fasst er unter dem Titel "Gas, Food, Lodging" seine Empfehlungen für die Gestaltung der Reise-Etappen zusammen und weist auf besonders interessante Restaurants und Diner sowie Unterkunftsmöglichkeiten hin. Zudem gibt er einen überaus hilfreichen Hinweis auf weitere - aus den USA stammende - Reiseliteratur. 

Der Autor hat nicht nur seine Reisegeschichte wunderbar aufgezeichnet, er liefert auch einzigartige fotografische Impressionen. Der Band enthält 222 Fotografien, davon 35 doppelseitig und 46 ganzseitig. Das sind nicht die üblichen Abbildungen grandioser Landschaften, es sind großartige Fotos vom Rand der Straße, teilweise von Kleinigkeiten, die das Land, seine Menschen und seine zuweilen traurigen Entwicklungen berührend wiedergeben. Durch die gekonnte Bildbearbeitung werden die Fotos nicht verfälscht, vielmehr wird ihre jeweilige Aussage deutlich verstärkt, und doch sind es alles schlicht schöne, teilweise fast gemalt wirkende Bilder. 

Freddy Langer, unübersehbar liebt er dieses Land und dokumentiert dies auch in dieser Beschreibung einer Straße, die vielmehr ist als bloße Straße, nämlich ein lange vernachlässigtes und nun wiederbelebtes Kulturgut, das einem auch die großen Schwächen dieses Landes vor Augen führt. Unabhängig davon, wie man zu den Vereinigten Staaten steht, mit diesem Buch erfährt man sehr viel über dieses große Land und bekommt fast zwangsläufig Lust, es auf dieser Route 66 zu erkunden. 



Route 66 – Reisen auf der berühmtesten Straße der USA 

Autor: Freddy Langer 
Verlag: Knesebeck Verlag, München, 2016 
Format: Hardcover, 21 x 26 cm 
Umfang: 224 Seiten, 222 Abbildungen 
Text: Deutsch 
Preis: € 34,95 
ISBN: 978-3-86873-986-2 
Vertrieb: Überall im Buchhande

Rezension Thomas Nehlert: „Peter Falk – 33 Jahre Porsche – Rennsport und Entwicklung, Menschen, Autos, Geschichten “ – Autoren: Peter Falk, Wilfried Müller, Verlag McKlein Publishing, 2016

Bei keinem anderen Unternehmen haben sich die Namen und die Leistungen der führenden Ingenieure und Techniker auch den Fans der Marke so eingeprägt wie bei Porsche. Das hat mehrere Ursachen. Zum einen war Porsche bis vor nicht allzu langer Zeit ein relativ kleiner Hersteller mit wortwörtlich familiärem Charakter, zum anderen begünstigte das ununterbrochene Engagement im Automobilsport mit seinen besonderen Herausforderungen eine Ingenieursgeneration, die neben überragender fachlicher Kompetenz von überdurchschnittlichem Teamgeist und gesundem Ehrgeiz in der sportlichen Auseinandersetzung geprägt war. Vom Firmengründer Ferdinand Porsche bis zu den Vätern des aktuell siegreichen Porsche 919 Hybrid ziehen sich diese Eigenschaften wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte. 

Bei näherer Befassung mit diesem Thema stellt man fest, dass aus der Gilde der großen Konstrukteure bei Porsche einer herausragt, der in seinem Auftreten und seinem Verhalten um sich selbst kein großes Aufhebens macht und für das Stuttgarter Unternehmen doch so viel geleistet hat: Peter Falk. Deshalb war es wirklich an der Zeit, dass sein Wirken für Porsche einmal in einem Buch seinen Niederschlag findet. McKlein Publishing in Köln legt hier in der "Edition Porsche Museum" eine umfangreiche Biografie vor, die für jeden Motorsport- und Porsche-Interessierten nicht nur Pflichtlektüre ist, sondern eine reine Freude darstellt. Schnell erkennt der Leser nämlich, was Peter Falk als Ausnahmeerscheinung kennzeichnet: Natürlich ist er ein großer Ingenieur mit gewaltigen Verdiensten besonders in den Bereichen Fahrwerksentwicklung und Fahrversuch; er ist aber auch ein brillanter Rennstratege und Rennleiter, er ist eine Führungspersönlichkeit, die in ihrer ruhigen und bestimmten sowie beispielgebenden Art die Mitarbeiter mitnimmt und motiviert; und er ist – das hebt ihn endgültig von anderen Berufskollegen ab – tatsächlich in der Lage, alle Rennwagen, an deren Konstruktion er beteiligt war, selbst bis in den Grenzbereich zu fahren! Er hat sie auch alle – mit Ausnahme des anfangs tückischen 917 – gefahren. 

Das Buch ist in sieben Abschnitte gegliedert, die sowohl nach Themen als auch chronologisch geordnet sind. Das erste Kapitel trägt die Überschrift "33 Jahre, drei Monate, drei Wochen und drei Tage" und gibt auf rund einhundert Seiten im Wesentlichen Peter Falks Blick auf Porsche im Kontext seiner beruflichen Laufbahn wieder. Zunächst wird seine Jugend gestreift: Grundschule, Humanistisches Gymnasium, Lehre bei DaimlerBenz, Studium des Maschinenbaus mit abschließendem Diplom. So waren bei Falk nicht nur die Voraussetzungen für eine Laufbahn als Diplomingenieur gelegt, sondern auch die Grundlagen für eine hohe Allgemeinbildung geschaffen, die ihn Zeit seines Lebens weit über den Tellerrand seines eigenen Berufsfeldes hinausblicken lassen. Seine Bewerbung bei Porsche war auf Anhieb erfolgreich, und so startete er Ende 1959 im Bereich Fahrwerksentwicklung und Fahrversuch, was auch genau seinen besonderen Interessen entsprach. 

Der Text des Buchs ist das Produkt einer Vielzahl von sehr langen Gesprächen, die der Autor Wilfried Müller mit Peter Falk geführt hatte. Durch ein unterschiedliches Schriftbild wird verdeutlicht, wann der Autor selbst biografische Ausführungen macht und wann Peter Falk im Originalton zu Wort kommt. Diese Form der Biografie liest sich nicht nur leicht und abwechslungsreich, sie führt auch zu einer bemerkenswerten Authentizität. 

Peter Falk war sowohl für zahlreiche Rennwagen als auch für die Entwicklung der Straßensportwagen von Porsche mitverantwortlich. Er begleitete und mitgestaltete die gesamte Entwicklung des 911 bis zur letzten luftgekühlten Modellreihe, dem Typ 993. Der Leser erfährt zahlreiche interne Geschichten und Erlebnisse von den Versuchsfahrten rund um den Erdball. Auch die Fahrwerksentwicklung der sogenannten WeissachHinterachse des Porsche 928 wird dokumentiert. Einzelheiten zum sagenumwobenen Porsche 965, das in Weissach für eine Fernsehsendung einstudierte "Porsche-Ballett" mit mehreren 911 Coupés und 911 Targa, der schicksalbehaftete Lebensweg von Rolf Wütherich, die Teilnahme an der Rallye Monte Carlo 1965 und der sogenannte "Lapine-Test" sind nur einige der im ersten Kapitel behandelten Themen. Dazu kommen Peter Falks persönliche Erinnerungen an Ferry Porsche, Ernst Fuhrmann, Helmuth Bott und Ferdinand Piech. 

Das zweite Kapitel befasst sich ausschließlich mit dem Rennen, das für Porsche von Anfang an bis heute die größte Bedeutung hat, mit den 24 Stunden von Le Mans. Zunächst äußert sich Peter Falk voller Bewunderung und Respekt über den aktuellen Porsche 919 Hybrid, der bei drei Einsätzen in Le Mans zwei Mal den Sieg davontragen konnte. Drei Themen bilden den Schwerpunkt dieses Teils der Biografie: das frühere Standquartier des Porsche-Rennteams in Teloché nahe der Rennstrecke, das unvergessene Rennen 1977 mit den glanzvollen Fahrten von Jacky Ickx und Jürgen Barth und die für Porsche triumphale Zeit der Gruppe C von 1982 bis 1987. Vom Werkstattgelände in Teloché fuhren die Rennwagen über öffentliche Straßen mit eigener Kraft an die Rennstrecke. Die durch beispielhaften Teamgeist zusammengeschweißte Porsche-Mannschaft nächtigte in eher bescheidenen Quartieren, zumeist hielt man sich ohnehin in der Halle in Teloché auf und arbeitete an den Rennfahrzeugen bis in die Nacht. Falk würdigt im Zusammenhang mit dem Rennen 1977 die überragenden Qualitäten eines Jacky Ickx. 

Es folgen drei Kapitel, die eine nach Jahrzehnten geordnete Dokumentation des Porsche-Motorsports darstellen – von den 1960er bis zu den 1980er Jahren. Peter Falk würdigt die wichtigsten Persönlichkeiten aus der frühen Porsche-Historie: Wilhelm Hild, Herbert Linge, Hans Herrmann und Huschke von Hanstein. Er arbeitet – an verschiedenen Stellen des Buchs – den fast ständigen Konflikt zwischen den Wünschen der Techniker und den Zwängen der Haushälter des Unternehmens heraus. In Falks Anforderungsprofil für Rennfahrer steht nicht nur die Schnelligkeit an erster Stelle, sondern mindestens gleichwertig auch die Teamfähigkeit und die Zuverlässigkeit. Unter diesen Voraussetzungen gehörte Jo Siffert nach Falks Einschätzung zu den herausragenden Porsche-Rennfahrern. Weiten Raum nimmt zu Recht die Entwicklung der Porsche-Rennsportwagen vom 904 bis zum gewaltigen 917 ein. Dieser konsequente Aufstieg vom regelmäßigen Klassensieger zum Weltmeister und Le-Mans-Gesamtsieger ist zweifellos eine der faszinierendsten Geschichten im internationalen Motorsport. Und an dieser Erfolgsgeschichte hatte Peter Falk zusammen mit anderen Porsche-Verantwortlichen maßgeblichen Anteil. Auch die Entwicklungen für die früher sehr wichtige Europa-Bergmeisterschaft spielen in Peter Falks Erinnerungen eine Rolle. 

In den 1970er Jahren musste Peter Falk sein erstes Augenmerk auf die Fahrwerksentwicklung der Straßensportwagen richten, es war die Zeit der Transaxle-Porsche 924, 944, 928. Dennoch trug er auch im Rennsport Verantwortung. Nach der Dominanz der 917 und 908/03 kamen die Rennversionen des 911 bis zum 935. Falk wurde zum stellvertretenden Hauptabteilungsleiter und zum Chef des Fahrversuchs ernannt. Er stellte u.a. Norbert Singer ein, einen Ingenieur, der zukünftig von großer Bedeutung für Porsche sein sollte. Wieder erfährt der Leser unzählige Hintergrunddetails aus dem Renn- und auch aus dem mit dem 911 betriebenen Rallyesport. Selbst das Geheimnis des bei Porsche-Feiern relevanten Ordners mit der Bezeichnung "Schräglaufwinkel" wird gelüftet. In diesem Abschnitt äußern sich zwei bedeutsame Weggefährten Peter Falks: Manfred Bantle, der Projektleiter für die Typen 908/03, 909 und 959 erinnert sich, und Ferdinand Piech denkt unter der Überschrift ". . . Peter Falk ist und bleibt ein Stück Porsche . . .“ an die Entwicklung des Typ 917 zurück. Auch auf Porsches Erfolge in der CanAm Series wird eingegangen, wenngleich dieses Projekt nicht in den Händen des zu diesem Zeitpunkt mit der Entwicklung des 924 und 928 befassten Falk lag. 

Peter Falk wurde 1981 Hauptabteilungsleiter Versuch, der Vorstandsvorsitzende Peter W. Schutz gab auf Anraten der Porsche-Ingenieure den Anstoß zur Fortführung der 911-Baureihe und zur Weiterentwicklung des Typ 936 unter Verwendung des ersten Indycar-Motors von Porsche, so dass man auch 1981 mit eben diesem 936 in Le Mans siegreich blieb. 1982 brachte eine von Peter Falk herbeigesehnte Wende: Die Aufgaben des Presse- und des Rennchefs wurden geteilt, erstmals gab es eine eigene Hauptabteilung Rennsport, deren Leiter Falk wurde. Den Aufbau dieses Ressorts beschreibt er sehr ausführlich, er gibt seine Anforderungen an die Mitarbeiter wieder und dokumentiert die Entwicklung des 956/962, des erfolgreichsten Rennwagens, den Porsche je gebaut hatte. Und er analysiert seine Rennfahrer und Mitarbeiter. Dabei fällt kein böses Wort, geradlinig und fair werden die besonderen Fähigkeiten herausgearbeitet; für den Leser ungemein interessant sind die Texte über Jacky Ickx, Jochen Mass, Derek Bell, Stefan Bellof, Hans-Joachim Stuck. Aber auch Persönlichkeiten des Porsche-Managements erfahren angemessene Würdigungen – ungeschminkt, auch dann die Verdienste herausstellend, wenn Peter Falk selbst eine etwas andere Sichtweise hatte. Wer jedoch zwischen den Zeilen zu lesen vermag, der erkennt schon, wer auf Falks Liste nicht ganz oben stand. Eitle, extrovertierte Selbstdarsteller sind seine Welt nicht. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Peter Falks Ausführungen sowohl zu dem von Porsche und seinem genialen Motoreningenieur Hans Mezger entwickelten TAG-Formel-1-Motor für McLaren als auch zu dem nicht von besonderem Erfolg gekrönten Indycar-Projekt in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre. Mit feinsinniger Ironie deutet er auch die Ursachen zweier Niederlagen in Le Mans an, ohne die mit vielleicht nicht ganz sauberen Methoden arbeitenden Konkurrenten herabzusetzen. Und, ganz außerhalb von Porsche, äußert Peter Falk auch seine Begeisterung für das Motorenkonzept der Reihensechszylinder – wie Recht er doch damit hat! 

Das sechste Kapitel hat die Porsche-Einsätze bei der Rallye Paris-Dakar zum Gegenstand. Es wird beschrieben, wie Helmuth Bott, der Vater des legendären Porsche 959, unterstützt von Peter Falk und dem wüstenbegeisterten Jacky Ickx, den Vorstandsvorsitzenden Schutz zunächst von diesem anspruchsvollen Projekt überzeugen musste. Man wird Zeuge von den Bedingungen, unter denen das Porsche-Team diese Rallye drei Mal bestritt und dabei zwei Siege erringen konnte. In diesem Zusammenhang würdigt Jacky Ickx die besonderen Verdiente Peter Falks. Dieses Kapitel endet mit dem Abschied Peter Falks von Porsche nach mehr als 33 Jahren. An dieser Stelle gewährt der große Ingenieur auch einen kurzen Blick in sein Familienleben und seine neuen Aktivitäten im Historischen Motorsport. 

Der siebte und letzte Abschnitt ist eine eindrucksvolle Sammlung von Dokumenten: Das reicht von einer "Wortkunde für Fahrwerker" und der "unabdingbaren Leichtigkeit des Porsche-Fahrens“ über Motorendiagramme, Tagebuchskizzen und Streckenaufzeichnungen bis zu Organigrammen, einer Fahreranalyse und einer "Gebrauchsanleitung für Langstreckenrennen". 

Man kann die Leistung des Autors Wilfried Müller gar nicht hoch genug würdigen, dem es gelungen ist, aus den wahrscheinlich fast unendlichen Protokollen der langen Gespräche mit Peter Falk ein so hervorragend und spannend zu lesendes Buch zu machen, das bis in die Tiefen des Unternehmens Porsche vordringt. In erster Linie aber zeichnet dieses Werk das Bild eines Menschen, der bei allem Erfolg und wahrhafter Weltläufigkeit doch sehr bodenständig und im Auftreten eher bescheiden, wortkarg und zurückhaltend geblieben ist, der mit seinem ruhigen, menschlichen und doch bestimmenden Führungsstil seine Mitarbeiter zu den Zielen geführt hat, die er selbst gesetzt hatte. 


Das Buch ist mit rund 540 Fotografien wirklich reichhaltig illustriert. Die eigentliche Qualität der Illustration resultiert aber aus der Art der bestens reproduzierten Aufnahmen: Hier werden dem Betrachter Momente, Eindrücke und Details vor Augen geführt, wie er sie so bestimmt noch nicht gesehen hat. Aus den Tiefen des Historischen Archivs von Porsche, dem riesigen Bestand von McKlein Publishing und vor allem aus dem privaten Archiv Peter Falks stammen die meisten der erstmals veröffentlichten Bilder. Der Band enthält Aufnahmen im kompakten Bildformat, zahlreiche halbseitige und nicht weniger als 120 ganzseitige sowie fünf doppelseitige Fotografien und vermittelt so im für die Bildwiedergabe besonders geeigneten Querformat einen optischen Eindruck, der der Qualität der Texte in nichts nachsteht. Der Betrachter sieht die Entwicklung des 911, erinnert sich an die faszinierende Baureihenentwicklung vom 904 bis zum 917, schaut in die Porsche-Boxen bei den großen Sportwagenrennen, bekommt Einblick in die Rennabteilung, verfolgt Versuchsfahrten auf unterschiedlichem Geläuf, nimmt an der Entwicklung des 956 und an dessen Renneinsätzen teil und wird schließlich in das Ambiente der Rallye Paris-Dakar versetzt. 

Fazit: "Peter Falk – 33 Jahre Porsche" ist zweifellos eines der besten Automobil- und Motorsportbücher der letzten Jahre. Übrigens gibt es auch eine inhaltsgleiche englischsprachige Ausgabe.

Thomas Nehlert

Peter Falk – 33 Jahre Porsche 
Rennsport und Entwicklung, Menschen, Autos, Geschichten
Autoren: Peter Falk, Wilfried Müller 
Verlag: McKlein Publishing Köln in der Edition Porsche Museum, 2016 
Format: Hardcover, 30 x 24 cm 
Umfang: 408 Seiten, rund 540 Abbildungen 
Text: Deutsch 
Preis: € 49,90 
ISBN: 978-3-927458-86-4 
Englische Ausgabe: 978-3-92745-887-1 
Vertrieb: Überall im Buchhandel und über RacingWebShop.com

Fotos: Aus dem Bestand von Thomas Nehlert

Rezension Thomas Nehlert: „Porsche Speedster - Legends live Forever 1989 – 2011“ – Autoren: Andreas Gabriel, Tobias Kindermann, Verlag Berlin Motor Books 2016

Nachdem der Verlag "Berlin Motor Books" von Andreas Gabriel bereits vor mehr als fünf Jahren ein Buch über die Speedster-Modelle von Porsche veröffentlicht hatte, legt er nun ein neues Werk in deutscher und englischer Sprache zu diesem interessanten Thema vor – im Umfang mit 396 Seiten mehr als verdoppelt, in deutlich größerem Format und überaus reichhaltig illustriert, zudem in einem stabilen und attraktiven Schuber geschützt.

Die offenen Speedster-Modelle in limitierter, zumeist recht geringer, Stückzahl nahmen stets eine Ausnahmeposition im Porsche-Programm ein. Mit ihrer flachen Frontscheibe, dem anfangs gepflegten Leichtbau und ihrer attraktiven Form sprachen sie die Porsche-Kunden an, die ein besonders unmittelbares, sportliches Fahrerlebnis wünschten und so auch ihrer Begeisterung einen individuellen Ausdruck verleihen wollten.

Nach einer knappen Darstellung der Entwicklung des Porsche 356 Speedster konzentriert sich das Buch auf die 911 Speedster der verschiedenen Baureihen in chronologischer Reihenfolge. Das beginnt mit den Versionen auf der Grundlage des Porsche 911 Carrera 3.2. Ausführlich beschreibt Andreas Gabriel sowohl die in nur kleiner Stückzahl gebaute schmale Version als auch die schließlich in den Verkauf gekommene Speedster-Variante in der breiten Turbolook-Ausführung. Es werden die Überlegungen innerhalb der Entscheidungsgremien von Porsche dargestellt, die schließlich dazu führten, dass der breiten Variante der Vorzug gegeben wurde. Besondere Authentizität gewinnen diese Ausführungen durch sehr eingehende Interviews mit Herbert Linge, der von 1943 bis 1993 bei Porsche tätig war, und Friedrich Bezner, dem Projektleiter für den 911 Speedster. Der Leser erfährt auch alle Details zu den Prototypen, wie dem Bott-Speedster (benannt nach dem Technik-Vorstand Helmuth Bott), dem Schutz-Speedster (benannt nach dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Peter W. Schutz) und der Design-Studie zur IAA 1987. Auch der Entwicklungsleiter beim Speedster von 1989, Bernd Kahnau, kommt ausführlich zu Wort.

Als das sogenannte G-Modell des 911 bei Porsche von der Typreihe 964 abgelöst wurde, bot das Zuffenhausener Werks alsbald wieder einen Speedster an; in den Verkauf gelangte ausschließlich eine schmale Variante auf der Basis des Carrera Cabrios. Auch dieses Modell wird detailreich dokumentiert, einschließlich der wenigen Prototypen im breiten Turbolook. Andreas Gabriel hat auch mit mehreren Eigentümern des 964 Speedster gesprochen und diese Gespräche mit den hautnahen Erfahrungen der stolzen Besitzer im Wortlaut einfließen lassen.

Vom letzten luftgekühlten Porsche-Modell, dem Typ 993, gab es keine serienmäßige Speedster-Version, weil man mit der Produktion der übrigen 993-Varianten ausgelastet war und bereits am Nachfolger 996 arbeitete. Allerdings gab es dennoch drei Speedster-Prototypen, darunter einen vom Werk für Ferdinand Alexander Porsche zum 60. Geburtstag gebauten sowie zwei in Kundenhand in Auftrag gegebene Einzelanfertigungen. Alle drei Fahrzeuge werden ebenfalls beschrieben und in großartigen Fotos dokumentiert. Wiederum kommt auch der Besitzer eines dieser raren Modelle zu Wort. Nachdem die überaus erfolgreiche aber vom Design nicht unumstrittene Baureihe 996 ohne ein Speedster-Modell auskommen musste, spendierte Porsche dem Nachfolgemodell 1997 wieder einen Speedster auf der Grundlage des 911 Carrera GTS, mit 408 PS der bis heute stärkste Speedster. Ein Vergleich des "Urspeedster“"vom Typ 356 A mit einem modernen 997 Speedster rundet das Buch inhaltlich ab.

Alle Baureihen werden mit ihren unterschiedlichen Bauformen sowie Motor-, Fahrwerks- und Karosserieentwicklungen vorgestellt, alle technischen Daten findet man in übersichtlichen Tabellen wieder. Es ist schon sehr beeindruckend, mit welcher Mühe und Genauigkeit außerdem nicht nur alle Ausstattungsdetails bis hin zu den unterschiedlichen Lackfarben zusammengetragen, sondern sogar auch alle Länderausstattungen und Fahrgestellnummern erfasst wurden. Für diesen Teil des Buches zeichnet der Porsche-Experte Tobias Kindermann verantwortlich.

Damit ist das Buch auch mehr als eine reine Speedster-Dokumentation; denn es führt zudem auch durch die Historie des Porsche 911 in seinen Entwicklungsstufen vom G-Modell bis zum 997. Neben dem von Kompetenz und Begeisterung getragenen Text fasziniert auch die Illustration. Auf 260 großartigen Fotos, teilweise im gewaltigen Doppelseitenformat, findet der Betrachter wirklich alle Speedster-Versionen aus den unterschiedlichsten Perspektiven in voller Schönheit wieder. Dabei sind auch die Bildhintergründe sehr abwechslungsreich. Aufnahmen aus der Produktion dieses ganz besonderen Porsche ergänzen den optischen Eindruck. Die Fotos stammen sowohl aus dem Historischen Archiv von Porsche als auch aus mehreren Privatsammlungen, unter anderem auch aus der des Autors Andreas Gabriel, der selbst Porsche Speedster fährt. Hinzu kommt die Reproduktion von Originaldokumenten des Werks wie einer Bedienungsanleitung, einer Presse-Information und eines Prospekts. 

Der Band ist hervorragend verarbeitet, edel gestaltet, die Wiedergabe von Text und Fotografien auf hochwertigem Mattglanzpapier ist erstklassig. Sicherlich ist dieses Buch nicht billig, aber als erstes umfassendes Standardwerk über den Porsche Speedster seinen Preis wirklich wert.


Überall im Buchhandel erhältlich

Porsche Speedster - Legends live Forever 1989 – 2011
Autoren: Andreas Gabriel, Tobias Kindermann
Verlag: Berlin Motor Books, 2016

Format und Umfang: Hardcover mit Schuber, 26,5 x 31,5 cm, 396 Seiten, 260 Fotos
Text: Deutsch/ Englisch-
Preis: € 119,80
ISBN: 978-3-9814592-2-7



Rezension Thomas Nehlert: Jochen Mass- Autor: Prof. Dr. Peter Schroeder- : View Verlag Bonn, 2016

Jochen Mass zählte über mehrere Jahrzehnte zu den wenigen großen deutschen Rennfahrern, die sich auch international einen Namen gemacht haben. Bisher gab es keine Biografie, die das Leben und die Karriere dieses Motorsportlers angemessen dokumentiert hätte. Professor Peter Schroeder und dem View-Verlag in Bonn kommt nun das Verdienst zu, diese Lücke in der Autosport-Literatur endlich geschlossen zu haben.

Jochen Mass ist von 1968 bis 1995 Rennen gefahren: Tourenwagen, Formel Super Vau, Formel 3, Formel 2, Formel 1, Sportwagen und Prototypen. Er ist einer der wenigen Allrounder, die in allen Kategorien des Motorsports erfolgreich waren; sogar an der Rallye Paris-Dakar hat er drei Mal teilgenommen. In der Formel 1 konnte er einen Grand Prix gewinnen - hier wäre mit besserem Material und einer nachhaltigeren Unterstützung so manchen Rennstalls mit Sicherheit mehr drin gewesen. Unvergessen bleiben seine zahllosen Siege in den großen Sportwagen-Langstreckenrennen auf Porsche und Mercedes-Benz. Es ist keine Übertreibung, ihn in dieser wunderbaren Motorsportdisziplin auf eine Stufe mit Jacky Ickx zu stellen, mit dem er sich über lange Zeit das Cockpit bei Porsche teilte.

Peter Schroeder hat diese vielschichtige und beeindruckende Karriere im Motorsport chronologisch geordnet und zu einer hervorragend zu lesenden Biografie zusammengefügt. Einem empathischen Vorwort von Jochens Tochter Sydne folgt eine knappe Beschreibung der Kindheit und Jugend von Jochen Mass. Die anschließende Darstellung des Aufstiegs von Jochen Mass zu einem der bedeutendsten Motorsportler orientiert sich einerseits an einer Zeitschiene, andererseits ist sie innerhalb dieser Chronologie thematisch gegliedert. Dies war notwendig, weil Mass zeitgleich in mehreren Rennwagenklassen aktiv war, die Schilderung im jeweiligen Tätigkeitsbereich aber nur dann in sich schlüssig erscheint, wenn er für eine bestimmte Zeit ausschließlich verfolgt wird. So hat der Autor die Leistungen von Mass konsequent und nachvollziehbar herausgearbeitet, ohne innerhalb eines Kapitels immer zwischen den Rennen im Monoposto und im Sportwagen hin und her zu springen. 

Natürlich nehmen nach den Tourenwagen-Rennen für Alfa Romeo und Ford die Formel-1-Einsätze für Surtees, McLaren, ATS, Arrows und March ebenso einen großen Raum ein wie die grandiose Erfolgsbilanz bei den Sportwagen und Prototypen für Porsche und Sauber Mercedes. Schließlich wird auch Jochen Mass' tragende Rolle beim Aufbau und Einsatz des "Junior-Teams" von Mercedes-Benz in der Sportwagen-Weltmeisterschaft gewürdigt; mit den drei "Junioren" Michael Schumacher, Karl Wendlinger und Heinz-Harald Frentzen war dieses Projekt zweifellos beispielhaft für die Nachwuchsförderung im Motorsport. Im letzten der insgesamt 18 Kapitel vermittelt Jochen Mass selbst noch ein paar "Reflexionen im Rentenalter", wobei er sich u.a. mit der Frage auseinandersetzt, ob es ein Traum gewesen wäre, auch einmal für Ferrari zu fahren. Eine 11seitige Rennstatistik vervollständigt die Dokumentation perfekt.

 Dieses Buch geht über den gewöhnlichen Rahmen einer Rennfahrerbiografie hinaus. Denn Peter Schroeder ist es in den unzähligen langen und sehr persönlichen Gesprächen mit Mass gelungen, auch dessen Leben außerhalb des Motorsports zu erfragen und dies - mit der angemessenen und von Jochen Mass gewünschten Zurückhaltung - zu beschreiben. So widmet sich ein eigenes Kapitel der Seefahrt- und Segelleidenschaft von Jochen Mass, und auch begrenzte Einblicke in sein Privatleben vervollständigen den Eindruck von einer deutlich über den Tellerrand hinaus schauenden Sportlerpersönlichkeit. Der sehr vertrauensvolle Kontakt zwischen dem Autor, der ein erfülltes und erfolgreiches Berufsleben als Mediziner hinter sich hat, und dem Rennfahrer findet seinen Niederschlag in zahlreichen Einschüben mit Originalzitaten von Mass, in denen er sich teilweise auch sehr offen und pointiert äußert. Um das Bild von Mass zu komplettieren, hat Peter Schroeder auch mit vielen anderen Rennfahrern gesprochen, so z.B. mit Dieter Glemser, Roland Asch und Karl Wendlinger.---- Dieser Band ist erkennbar das Produkt sehr gründlicher Recherche, hoher fachlicher Kompetenz und einer riesigen Leidenschaft für das Thema. Und zugleich weist der Autor dem Motorsport als herrlicher Nebensache dadurch seinen Platz im Leben zu, dass er in farblich abgesetzten Spalten für fast jedes Jahr in der Epoche von 1968 bis 1991 das politische und gesellschaftliche Weltgeschehen ganz knapp Revue passieren lässt.

Der in attraktivem Layout und einem fast quadratischen Format gehaltene knapp 300seitige Band ist mit rund 240 Fotos reichhaltig illustriert, zahlreiche Abbildungen erscheinen im großen Format, einige sogar doppelseitig. Die Reproduktion der Bilder, von denen viele erstmals veröffentlicht werden, ist sehr gut. Die Aufnahmen stammen aus den großen Archiven von Daimler Benz, Porsche, Sutton und View Verlag; aber auch mehrere Privatsammlungen und insbesondere Jochen Mass - selbst begeisterter Fotograf - haben mit ihren Bildern einen wertvollen Beitrag zum Gelingen des Buchs geleistet.

Thomas Nehlert


Überall im Buchhandel erhältlich 

Jochen Mass 

Autor: Prof.Dr. Peter Schroeder

240 Fotografien € 49,-- (von Jochen Mass signierte Pesonal Edition € 59,--)

Verlag: View Verlag Bonn, 2016

Rezension Peter J. König : 90 Jahre Nürburgring - Die Geschichte der Nordschleife- Hartmut Lehbrink- Delius Klasing

Der Formel 1 Journalist und begeisterte Renn-Jünger Hartmut Lehbrink hat in diesem wunderbaren Bildband gemeinsam mit dem Delius Klasing Verlag eine Hommage an die wohl berühmteste Rennstrecke der Welt auf den Weg gebracht. Und wer hat nicht schon von ihr gehört, der Nordschleife des Nürburgrings, die immer noch den Beinamen " Die grünen Hölle der Eifel" trägt, einem Pseudonym, das bei jedem Rennfahrer zugleich Freude und Spannung erzeugt, gleichzeitig aber auch einen gewissen Schauder über den Rücken laufen lässt. 

Bevor am 12. Mai 1984 die neue Grand Prix Strecke rund um Start und Ziel eröffnet wurde, sind alle Rennen, ob mit Automobilen, Motoräder oder sogar bei Fahrradrennen auf der legendären Nordschleife durchgeführt worden. Feierlich eröffnet am 18. und 19. Juni 1927 haben sich danach über Jahrzehnte, exakt 9o Jahre auf dieser Rennstrecke spektakuläre Siege, Dramen und Tragödien abgespielt, denn die Nordschleife wird auch heute noch zu größten Rennereignissen eingesetzt, etwa dem 24 Stunden Rennen, das neben dem gleichnamigen Ereignis in Le Mans mit zu den weltbekanntesten Motorsport-Ereignissen überhaupt zählt. 

Diese 28,265km lange Rennstrecke ist einzigartig auf der Welt, es gab und gibt nichts Vergleichbares. Die Folge von An- und Abstiegen der Streckenführung, die Kurvenkombinationen, eng, langgezogen, dabei bergauf und bergab, gefolgt von Steilkurven und ewig langen Graden, die weit über 300 km/h zulassen, sind eine absolute Herausforderung an Mensch und Maschine, an Psyche und körperliche Überforderung. Hinzu kommen die Wetterkapriolen, die in der Eifel immer möglich sind. Scheint im ersten Teil der Strecke noch die Sonne, so kann es im weiteren Verlauf "Schütten wie Sau" und Schnee im Juni ist auch nichts Ungewöhnliches. Und eins ist sowieso klar, die Gefahr auf der Strecke zu verunglücken,  ist immer gegeben. Dies haben sehr viele Rennfahrer persönlich erlebt, der eine oder andere sogar mit seinem Leben bezahlt. 

Großzügige Auslaufzonen, wie etwa auf dem Grand-Prix Kurs am Ring gibt es auf der Nordschleife ganz selten, Leitplanken sollen noch heute den Abflug in die "Prärie" verhindern. Neben den offiziellen Ereignissen sind es die privaten Rennen von selbst ernannten "Racer", die zeigen welche Anziehungskraft die Nordschleife bis heute hat. Die unzähligen Einschläge in den Planken zeigen aber auch, wie tückisch die Strecke zumal für Nichtprofis ist. 

Der Schreiber dieser Zeilen hat dies selbst erleben dürfen, speziell nach einem 24 Stunden Rennen, wenn über dem Asphalt eine Gummischicht zurückgeblieben ist, die mehr nach Schmierseife anmutet, als nach einem griffigen Asphalt. Der hier vorgestellte Bildband "90 Jahre Nürburgring, die Geschichte der Nordschleife" zeigt in beeindruckender Weise alle Stationen, die die Krönung aller Rennstecken durchlaufen hat. Natürlich ist es die ausgesuchte Vielzahl der Bildfolge, die sehr anschaulich dokumentiert, was alles an der Nordschleife und um sie herum in den letzten 90 Jahren passiert ist. 

Um schon Lust auf mehr zu machen, sollen hier zunächst die Kapitel zeigen, wie das Werk aufgebaut ist: Unter der Überschrift "Stationen" werden zu allererst die Hauptdaten genannt, damit der Leser ein Bild davon bekommt, wie die Nordschleife und ihre herausragenden Ereignisse eingeordnet werden können. Danach folgt unter der Rubrik "Gelenkstellen" eine Dokumentation, die aufklärt, warum es überhaupt zum Bau der neuen Grand Prix Stecke gekommen ist. 

Das weitere Kapitel "Poesie der Bewegung" zeigt Gemälde aus dem Rennverlauf von Michel Turners, die ähnlich wie Fotografien sehr eindrucksvoll die Dramatik in den unterschiedlichen Rennsituationen mit künstlerischen Mitteln darstellt. Und dann kommen sie, all die Helden und Bezwinger der Nordschleife, die sich in die Ruhmeslisten am Nürburgring für alle Zeiten verewigen konnten. Entsprechend ist dieses sehr ausführliche Kapitel mit "Meister des Rings" bezeichnet und mit großartigen Aufnahmen voll gespickt. 

Den Hauptteil des Bildbandes macht das folgende Kapitel "Erinnerungen" aus. Hier erzählen die Großen, die all mit ihren Erfolgen auf der Nordschleife geglänzt haben von ihren ganz persönlichen Eindrücken, auch ein Rudi Altig, der mit seiner Muskelkraft zum Helden dort wurde. Abschließend noch die Danksagung und der Bildnachweis in "Spätlese", wo der Autor Hartmut Lehbrink noch einmal den ganz besonderen Zauber "Der Grünen Hölle der Eifel" durch Panorama-Aufnahmen aufleben lässt. 

Wie gewohnt hat der Delius Klasing Verlag gemeinsam mit Hartmut Lehbrink einen außergewöhnlichen, sehr informativen Bildband in Szene gesetzt. Dabei sind es natürlich die spektakulären Aufnahmen, die das Renngeschehen, aber noch mehr die Heroen des Motorsports hervorheben. Sie alle haben bis heute größten Respekt vor der Nordschleife, und ohne die Schleife am Ring wären die Mythen des Rennsports um ein vielfaches ärmer. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

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Rezension Peter J. König: Automobile Design Graphics-A Visual History from the Golden Age to the Gas Crisis- Jim Heimann(Ed.) Steven Heller--Jim Donnelly-Taschen

Der hier vorliegende Bildband "Automobile Design Graphics" aus dem Taschen-Verlag zeigt anhand von künstlerischen Werbeplakaten, wie sich die Automobil-Industrie seit den Anfängen in den USA entwickelt hat, und wie die vielen Firmen, die es zu Beginn des mobilisierten Zeitalters gab für ihre Modelle geworben haben. Wenn man bedenkt, dass zwischen 1900 und 1930 allein in den Vereinigten Staaten mehr als 5000 Automobil-Hersteller versuchten ihre Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, wird klar, welcher Wettbewerb unter den Autobauern herrschte. Da bedurfte es ausgefallener Werbemethoden, um die Käufer anzulocken, und ihnen die jeweils eigene Automobil-Palette so schmackhaft wie möglich zu machen. 

Dazu dienten die Werbeplakate oder in zunehmenden Maß die Werbeproschüren, die auf höchst künstlerischem Niveau die schöne, neue Welt des Automobils präsentieren. Film- und Fernsehwerbung gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts so gut wie nicht, umso werbewirksamer wurden Plakate und Broschüren gestylt. Eine Vielzahl von Werbeagenturen nahm sich dieser Kampagnen an, eine neu gestaltende Kunstrichtung wurde entwickelt, das Industrie-Design. 

Wie die Automobile auf dem Reißbrett wurden die Entwürfe für die Werbematerialien sehr kunstvoll in Zeichnungen auf Papier vorentworfen, um sie später mittels Druckverfahren zu vervielfältigen. Die besten Künstler Amerikas wurden engagiert, um möglichst ausdrucksstark das neue Lebensgefühl des Mobilzeitalters zu vermitteln. Diese Werbeproschüren und Plakate sind heutzutage als Kunstform des 20. Jahrhunderts sehr begehrt, ihr Wert ist mehr als beachtlich, werden sie doch auch wie treuere Kunst gehandelt. 

Der sehr hochwerte Bild-Kunstband aus dem Taschen-Verlag gibt großformatig und sehr detailliert einen Eindruck davon, welche Vielfalt von Werbematerialien die Automobilfirmen jener Zeit entwerfen ließen, wobei nicht nur die immer neuen Modelle ein Blickfang sein sollten, wichtig war ebenso ein Lebensgefühl und den Zeitgeist zu vermitteln. Das hier vorgestellte Werk gibt einen sehr anschaulichen Überblick darüber, welche Entwicklung die Automobile in den USA nahmen und wie sich diese vom Luxusgefährt zum Massenfortbewegungsmittel entwickelt haben. 

War in der damaligen Werbung die Technik noch eher nachrangiges Argument zum Autokauf, so kam es doch entscheidend darauf an, durch Styling und den Prestigegewinn durch das neue Modell die Käufer zu überzeugen. Vermitteln sollte dies möglichst beeindruckend die gezeichneten Plakate und Verkaufsproschüren. Um hier einen ersten Eindruck zu geben, sollen die einzelnen Kapitel zeigen, wie subtil und suggestiv die Werbemanager mit ihren Kunstmitteln auf Kundenfang gingen. 

Hier einige Auszüge: 
Es beginnt mit dem Eingangskapitel: 
Verlangen erwecken-Seite für Seite. Hier wird in englischer, deutscher und französischer Sprache die Entwicklung des Werbedesigns im amerikanischen Automobilmarkt erläutert und mit vielen Bildmaterialien gezeigt, wie sich darin der Zeitgeist widerspiegelt. 
Danach folgt der wesentliche Teil des Kunst-Bildbandes betitelt mit: Automobilprospekte und die Sublimierung des Verlangens. Hier werden auf mehr als 300 Seiten eine Unzahl von großartigen Bildentwürfen gezeigt, die jeweils die Fülle von neuen Modellen präsentieren, deren Namen überaus exotisch klingen und deren Präsentation spektakulär ist. Sie hier alle aufzuzählen, würde Seiten füllen, die meisten Automobilfirmen haben nur eine kurze Lebensdauer gehabt. Damit aber überhaupt die Namen von Herstellern hier genannt werden, soll sich auf die großen Firmen beschränkt werden, die selbst eine Fülle von immer neuen Modellen mit diesen Werbebotschaften auf den Markt gebracht haben, als da sind: 

Ford, General Motors und Chrysler mit ihren hunderten von Einzelmodellen. Wer kennt noch solche Hersteller wie Alco, Baker Electric, Cartetcar, Chadwick, Chalmers, Chandler, Cleveland , Cole, Columbia, Detroiter, Dodge Brothers, Erskine, Essex, Franklin, Garford, Gray, Hupmobile, Jeffery, King oder Marmon, sie alle wurden zwischen den Jahren 1900 und 1929 hergestellt und hier thematisiert. 

Mit "Dreams of Power and Joy" beginnt ein weiteres Kapitel. Es hat die Jahre 1930 bis 1946 zum Thema, die Automobile verändern sich, ebenso die Werbebotschaften auf den Verkaufsproschüren, doch immer noch sehr kunstvoll nur noch viel suggestiver. Mittlerweile sind nur noch die großen Hersteller am Markt, so etwa Buick, Chevrolet, Chrysler, Continental, De Soto, Dodge und natürlich Ford und General Motors die nach und nach alle kleineren Fabrikationen aufgekauft haben. Dazu sagt die Werbung nichts, über die Veränderung des Stylings aber umso mehr. 

Unter der Rubrik "Stalwarts of Marketing" werden die automobilen Jahre von 1947 bis 1961 vorgestellt und zum Schluss unter der Überschrift " Exaggerated Virtue" die Jahre 1962 bis 1973. Die Palette der Anbieter konzentriert sich nur noch auf einige wenige Großunternehmen, allen voran General Motors und Ford. Die aufwendigen, immer stylischer werdenden Marketing-Kampagnen finden nun innerhalb der automobilen Multi-Konzerne statt. 

Dann ist die Zeit der stilisierten Werbedruckmittel vorbei, denn Film und hauptsächlich das Fernsehen übernehmen es die lockenden Werbebotschaften an den Mann oder an die Frau zu bringen. Damit geht auch die Kunstform des künstlerischen, gedruckten Werbematerials seinem Ende entgegen. Sie hat ihren Weg ins Automuseum gefunden oder in die Hände einer Vielzahl von Sammlern. 

"Automobile Design Graphics" ist ein von Jim Hermann(Ed.), Steven Heller und Jim Donnelly in Zusammenarbeit mit Taschen konzipierter Kunst-Bildband, der zweifellos eine Rarität ist. Aus besten Materialien, sehr hochwertig wurde hier ein Werk auf den Markt gebracht, das selbst Kunst ist und eine besondere Kunstform des 20. Jahrhunderts illustriert. Automobilgeschichtlich höchst interessant, zeigt es auch genau, was die Menschen ästhetisch und emotional in dieser Zeit angesprochen hat. Äußerst gelungen, ist dieser Bildband eine Augenweide in jeder guten Hausbibliothek und dies nicht nur für Automobil-Liebhaber. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

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Rezension: Peter J. König: Porsche Turbo- Die faszinierende Story der aufgeladenen Strassen- und Rennsportwagen- Delius Klasing

Bildbände über den Super-Sportler Porsche gibt es zahlreiche. Eine Bilddokumentation über die absolute Spitzen-Motorisierung, den Turbo-Motor und seine Entwicklung ist allerdings eine neue faszinierende Variante, die der Autor dieses einzigartigen Bildwerkes, Randy Leffingwell sehr kenntnisreich und anschaulich in Szene gesetzt hat. 

Von Porsche weiß man, dass die exzellenten Sportwagen, die dann als Straßen-Versionen zu erstehen sind, in den allermeisten Fällen zunächst im Renneinsatz erprobt werden. Als Prototypen entwickelt, bei den härtesten Rennserien getestet, werden sie anschließend zur Markt-Einführung Straßen- tauglich modifiziert. Diese technische Entwicklung haben alle Modelle der 911er-Reihe genommen, bei den reinen Renn-Fahrzeugen gab es nur gelegentlich Straßen-Versionen, wie z.B. der legendäre Porsche 959, der nicht nur dank Boris Becker Kult wurde, sondern auf Grund seiner einzigartigen Technik und seiner geringen Stückzahl von 200 Fahrzeugen eines der beliebtesten Sammler-Objekte im Automobil-Bereich überhaupt ist. 

Hinsichtlich der Motoren-Technik ist die Entwicklung analog. Turbo-aufgeladene Motoren wurden ursprünglich für den Dieselmotor entwickeln, galt es doch so den "lahmen Enten" mehr Dynamik zu ermöglichen. Die Motoren-Ingenieure bei Porsche erkannten sehr bald die Möglichkeit diese Technik auch für den Rennsport zu nutzen. 

Mit dem Modell 917/10 begann eine überaus erfolgreiche Serie an Rennsport-Fahrzeugen, die bis heute ungebrochen anhält. Aber dies sollte noch nicht die spezielle Einsatzmöglichkeit des Turboladers sein. Beginnend mit dem legendären 911er Turbo wurden anschließend alle Porsche-Serien-Fahrzeuge mit der Turbo-Technik ausgestattet, zunächst nur als Spitzenmodelle, später generell, war es doch so möglich den Hubraum zu verringern und dennoch größere Leistung zu erzielen. Modelle wie 935, 924 Turbo, 956/962, wie bereits erwähnt der absolute Über-Porsche 959, 911 GT2 und 919 hybrid, sie alle werden durch den Turbolader beatmet, ihre Leistung dadurch optimiert. Aber nicht nur in der 9er-Reihe sind die Motoren Turbo-aufgeladen, alle anderen Serien, sei es Cayenne, Macan oder Panamera, sie alle profitieren von dieser Hoch-Technologie, und die heutigen Rennserien von Porsche sowieso. 

Damit der Leser eine Vorstellung bekommt, welche Entwicklung der Turbo-Motor bei Porsche genommen hat, hier die Auflistung des Inhaltsverzeichnisses: 
Der unfaire Vorteil
Was ist Turboaufladung und wie funktioniert sie?
Porsche bringt Turbotechnik auf Europas Rennstrecken
Vom Homologationsmodell zum Flaggschiff
Parallelwelten: Renn-Turbos von 1975-1978
"Moby Dick" und "Baby" Porsche in den Rennjahren von 1977-1983
Innovation und Evolution: Von den späten Siebzigern bis Mitte der Achtziger
Neue Reglements und neue Möglichkeiten
Andere Optionen mit freistehenden Rädern
Innovation für die Strasse: Von den späten Siebzigern zu den späten Achtzigern
Vom Flugzeugmotor zum Technologieträger
Turbos für alle: Die Neunziger
Rennsport in den Neunzigern
Porsche unter anderen Namen
Turbos on- und off-Road: Das neue Jahrtausend
Höhere Komplexität, gesteigerte Performance
Wenn Hochtechnologie zum Produktnamen wird
Die elektrisierende Rückkehr nach Le Mans
Die Neudefinition eines Klassikers

Wenn man sich die ausgedehnte Liste der Inhalte ansieht, wird klar, dass der Autor Randy Leffingwell dieses attraktive Bildwerk nicht in Szene setzen konnte ohne die großzügige Hilfe des Hauses Porsche und vieler seiner Freunde. Bild-Aufnahmen von den einzelnen Porsche-Modellen, sei es im Showroom oder beim spektakulären Einsatz auf den Rennstrecken dieser Welt geben einen sehr anschaulichen Eindruck wieder wie Turbo-Motoren zum Einsatz gekommen sind. 

Dazu hat auch das Archiv von Porsche mit beigetragen, um so einmaliges, zum Teil öffentlich nicht zugängliches Bild-Material zu zeigen. Wie im Delius-Klasing Verlag nicht anders zu erwarten, wirkt dieser außergewöhnliche Bildband durch seinen Inhalt, aber auch durch sein äußeres Erscheinungsbild. Sowohl Randy Leffingwell, gemeinsam mit Porsche, als auch das Verlagshaus Delius-Klasing haben sich größte Mühe gegeben, das technische Thema Turbolader in einer kurzweiligen, informativen, attraktiven und repräsentativen Form anzubieten. Dazu dient dieser anspruchsvolle Bildband "Porsche Turbo", der die Jünger der Kultmarke sowieso sofort elektrisiert. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

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Rezension: Peter J. König:Porsche Drive 15 Pässe in 4 Tagen Stefan Bogner, Jan Karl Baedecker- Delius Klasing Verlag Edition Delius

Der Autor, Fotograf und Mitbegründer der Münchner Designagentur fpm Stefan Bogner und der Journalist, Fotograf sowie Chefredakteur des Magazins Classic Drive Jan Karl Baedecker haben zusammen mit der Edition Delius und dem Delius Klasing Verlag ein Projekt aufgelegt, das auf Anhieb zunächst verrückt erscheint. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, innerhalb von 4 Tagen die wohl spektakulärsten Alpenpässe zu bezwingen, und zwar mit ebenfalls spektakulären Modellen des Sportwagenbauers Porsche. 

Stefan Bogner ist begeisterter Porsche-Fahrer und liebt es mit seinem Sportwagen die Kurven, Kehren und Serpentinen in den Alpen zu befahren. Daraus hat sich sein Magazin Curves und der Bildband Escapes entwickelt, wo genau diese Leidenschaften in wunderschönen Fotografien festgehalten werden. 

Jan Karl Baedecker, übrigens der Urenkel des legendären Karl Baedecker, dem Herausgeber des wohl bekanntesten und ältesten Reiseführers ist quasi genetisch vorbestimmt, immer unterwegs zu sein, Neues zu entdecken und das Reisen mit dem entsprechenden Abenteuer zu verbinden. Damit dieses Monster-Vergnügen auch ordentlich auf die Beine gestellt werden konnte, haben Stefan Bogner und Jan Karl Baedecker zunächst einen akribischen Plan entworfen, wie sie das Bezwingen der Alpenpässe am besten strategisch angehen konnten. 

Dazu haben sie Strecken- und Profilkarten der Pässe studiert und einen exakten Ablauf der Tagesrouten geplant. Nur so war es möglich das angestrebte Ziel zu erreichen, zusammenhängend an vier Tagen 15 der großartigsten Alpenüberquerungen zwischen Ost und West zu befahren. Ihre Erfahrungen haben sie hier in einem sehr ausführlichen Bildband dokumentiert, der nicht nur über eine Fülle von großartigen Momentaufnahmen der hochalpinen Landschaften verfügt, sie haben auch gleichzeitig ihre Erkenntnisse beim Überqueren der Pässe aus der Sicht des Fahrers journalistisch aufgearbeitet. 

So ist für den Leser dieses Buches ein anschauliches Bild entstanden, das durchaus dazu animiert, Gleiches zu unternehmen, und wenn es nicht alle 15 Pässe sind, doch wenigstens den einen oder anderen, je nachdem welcher einem besonders zusagt. Neben den persönlichen Erfahrungen werden immer wieder spannende Geschichten erzählt, so wie sie um die berühmten Alpenpässe herumrankten, sei es bei Bergrennen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts oder aus der Vergangenheit, wo einst die Kaufleute die Alpen auf diesen Routen überquert haben, um jeweils auf der anderen Seite ihre Waren zu verkaufen. 

Der absolut prägendste Eindruck sind jedoch immer wieder die weitschweifenden Blicke über die Bergmassive und der Blick ins Tal, da man die Serpentinen der Hochalpen- Straßen dort exakt verfolgen kann. Davon ist kein Betrachter unbeeindruckt. 

Damit auch die "Porsche" nicht zu kurz kommen, ist jedem Kapitel noch eine besondere Rubrik zugeordnet. Es handelt sich dabei um die Erlebnisse von begeisterten Pass-Fahrern, die mit ihren individuellen eigenen Porsche-Fahrzeugen die jeweiligen Pässe absolviert haben, um gleichzeitig von ihren Freuden an solchen Abenteuern zu berichten. 

Damit der Bildband "15 Pässe in 4 Tagen" nicht nur theoretisch daher kommt, wird zu jedem Pass das nötige Kartenmaterial aufgezeigt, damit der Leser eine konkrete Vorstellung hat, um welche Überquerung es sich jeweils handelt. Hier nun die Alpenpässe, die Stefan Bogner und Jan Karl Baedecker in den Mittelpunkt ihres viertägigen Alpenrausches gestellt haben:

Klausenpass 
Sustenpass 
Grimselpass 
Furkapass 
Nufenenpass 
Gotthardpass
Flüelapass 
Stilfser Joch 
Pordoijoch 
Sella Joch 
Grödner Joch 
Passo di Falzarego
Passo di Giau
Drei Zinnen
Grossglockner Hochalpenstrasse 

Die Liste ist wahrlich beeindruckend und wenn nicht jeder Betrachter auch alle Pässe hinter sich gebracht hat , so wird doch mancher bei der Fahrt nach Italien oder zum Ski-Urlaub die eine oder andere Überquerung genossen haben. 

Genießen kann man auch diesen aufwendigen Bildband der immerhin über 433 Seiten stark ist, 433 Seiten voller eindrucksvollem Bildmaterial und spannender Erlebnisse der Autoren Stefan Bogner und Jan Karl Baedecker und wie immer sehr werthaltig vom Delius Klasing Verlag konzipiert. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

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Rezension: Peter J. König: 50 Jahre #Porsche 912 #Jürgen_Lewandowski #Delius_Klasing

Der renommierte Auto-Journalist und Autor von mehreren beachtenswerten Automobil-Büchern und Co-Autor von grandiosen automobilen Bildbänden Jürgen Lewandowski  hat dieses interessante Werk über den Porsche 912, dem kleinen Bruder des legendären Porsche 911 zusammen mit dem Verlag Delius Klasing auf den Weg gebracht. 

Als profunder Kenner der heutigen Automobilszene pflegt er auch stets einen intensiven Kontakt zu Automobil-Museen und Sammlern weltweit. Dem Haus Porsche ist er seit Jahrzehnten eng verbunden, hier hat er als Chronist die Entwicklung der Modelle aus Zuffenhausen intensiv verfolgt. Mit dem Projekt 912 will er nach 50 Jahren zeigen, dass der "kleine" Porsche durchaus kein Schattendasein in den Jahren seines Verkaufs geführt hat. 

Ursprünglich einmal in einer Serie von 500 Fahrzeugen angedacht, wurden insgesamt 28333 Coupés und 2562 Targa Modelle vom Typ 912 in den Jahren 1965 bis 1969 verkauft. Er galt als Ergänzung zu dem 911er, war nicht so stark motorisiert mit seinen 4 Zylindern und dem 90 PS Motor, recht spartanisch ausgestattet, aber trotzdem ganz ein Porsche, eben in Junior-Ausführung. Entsprechend war sein Preis deutlich geringer als der "Große", aber damals Mitte der 1960iger Jahre mit um die 17000 DM durchaus angemessen. Billig war ein Porsche nie, auch nicht der 912, denn zu dieser Zeit bekam man für 5-6000 DM einen VW 1300 neu mit Schiebedach und funktionierender Heizung, so die Erfahrung des Autors dieser Zeilen. 

Der 912er  war als weiteres Modell der 911er Reihe gedacht, das den so geliebten Porsche 365 abgelöst hatte. Eingefleischte 911er Fans taten sich zunächst etwas schwer, den kleinen Bruder zu akzeptieren. Dies legte sich jedoch bald, denn mit dem 912er wurden neue Käuferschichten angesprochen, meist junge, die das Geld für den großen Bruder noch nicht in der Tasche hatten. In den USA war die Nachfrage äußerst rege, das Modell 912 Targa geradezu ideal für die kalifornische Beach Boy Ärea. Nachdem das Modell eingestellt wurde, war es dann ziemlich schnell aus dem Focus der Porsche-Gemeinde verschwunden, bis vor einigen Jahren erneut die Suche nach diesen Modellen begann, und zwar als wunderbarer Oldtimer, der ein Teil der Automobil-Geschichte des Hauses Porsche erzählt. 

Überall wurde versucht diese Modelle aufzustöbern, sei es noch in fahrbarem Zustand oder auch als nicht bewegliches Erinnerungsstück im hinteren Winkel einer Halle. Es begann eine Restaurierungs-Welle und da in Kalifornien oder den Südstaaten der USA die mit am besten erhaltenen Stücke aufgefunden wurden, war der 912er auch bald wieder angesagt bei Classic-Shows und Oldtimer Rallyes. Um dem Porsche 912 eine bibliophile Würdigung zuteil werden zu lassen, haben der Autor Jürgen Lewandowski und der Delius Klasing Verlag die Vita dieses kernigen Porsches dokumentiert und in sehr anschaulichen Bildern gezeigt, wie sich dieser Sportwagen entwickelt hat und wie viel Begeisterung er bei den stolzen Besitzern auslöste. 

Selbst die bekannte deutsche Hollywood-Schauspielern Elke Sommer hat in ihrer Wahlheimat L.A. mit ihrem zitronengelben 912er Targa durchaus für Furore gesorgt. Das Vorwort zu diesem interessanten Porsche–Bildband hat kein Geringerer als der heutige Aufsichtsratsvorsitzende der Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG Dr. Wolfgang Porsche, der Sohn von Ferry Porsche und Enkel des legendären Firmengründers Ferdinand Porsche geschrieben. 

Das Bildmaterial stammt überwiegend aus den Archiven der Porsche AG, der Text von Jürgen Lewandowski. Der Autor hat es dabei keineswegs nur bei kurzen Bildkommentierungen belassen, mit sehr ausführlichen und besonders informativen Texten hilft er dem Leser hinter die Kulissen des 912er zu schauen und dem Betrachter diesen reinrassigen Sportwagen näher zu bringen. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass das Bildwerk "50 Jahre----Porsche 912" in einer limitierten Auflage von 912 Exemplaren erschienen ist. 

Damit überzeugt nicht nur der inhaltliche Wert, als Sammel-Objekt gerade für Porsche-Liebhaber hat es einen ganz besonderen Platz in der heimischen Bibliothek verdient. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

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