Rezension Thomas Nehlert „Porsche Klassik – Special Edition 911“ Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

Wenn die Produktion eines gewöhnlich als "Sportwagen-Ikone" bezeichneten Fahrzeugs die Stückzahl von einer Million erreicht, ist das etwas sehr Besonderes. Der 1963 in seiner Urform als 901 vorgestellte Porsche 911 hat dieses Ziel am 11. Mai 2017 erreicht. Das ist Anlass genug, dieses für einen Hochleistungswagen einmalige Jubiläum mit einer edel und attraktiv gestalteten Sonderausgabe des Magazins "Porsche Klassik" zu würdigen.

Auf 148 Seiten präsentiert der Delius Klasing Verlag 15 Geschichten und Berichte über den Sportwagen-Klassiker aus Zuffenhausen. Der Automobil-Historiker und durch zahlreiche Bücher bekannte Autor Jürgen Lewandowski zeichnet die Entstehung des Porsche 901 nach und widmet einen Artikel dem Schöpfer der 911-Form, Ferdinand Alexander Porsche. Außerdem beschreibt er den Andial 964 Carrera 4, der mit 680 PS als stärkster Straßen-Porsche erst jetzt durch den neuen GT2 RS abgelöst wird. Bastian Fuhrmann stellt die in Kalifornien beheimatete R-Gruppe und deren Gründer Ray Crawford mit seinem 911 S vor, vermittelt dem Leser einen Eindruck von der Sloan Sammlung in New York und berichtet über außergewöhnliche Porsche-Kunden und ihre Porsche 911. Außerdem steuert er einen ausführlichen Fahrbericht vom in klassischem Grün gehaltenen Jubiläumsexemplar des 911 durch Schottland bei. Weitere Texte befassen sich unter anderem mit dem Porsche-Club Westfalen, einem ungewöhnlichen Rennfahrzeug mit der Bezeichnung "912 RSR Lightweight", einem 911 Carrera RSR 2.8 sowie einer gigantischen Sammlung von Porsche-Modellautos. 

Die Special Edition 911 ist reichhaltig und hochwertig illustriert, liest sich interessant und abwechslungsreich und macht die immense Vielfalt des Themas "Porsche 911" deutlich. Trefflich passt auch der Preis zum Thema des Hefts: 9,11 €. 


Porsche Klassik Sonderausgabe "Special Edition 911" 

Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017 
Format und Umfang: Kartoniert, 23 x 28 cm, 146 Seiten 
Text: Deutsch Preis: € 9,11 

Überall im Zeitschriftenhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert „The Next 100 – Ideen, Visionen, Meinungen zur Welt von morgen“, BMW Group München, Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg, 2016

BMW hat 2016 den 100. Geburtstag gefeiert. Dem Selbstverständnis des Unternehmens entsprechend wurde relativ knapp Rückschau auf die Geschichte gehalten. Der Schwerpunkt der Feierlichkeiten lag in der Entwicklung von realitätsbezogenen Zukunftsvisionen. So verhält es sich auch mit diesem Buch, einem beachtlichen Wälzer von fast 600 Seiten Umfang. Das ist kein Autobuch im engeren Sinne. Das ist ein Band, der die Möglichkeiten und die Notwendigkeit aufzeigt, wie sich ein Unternehmen der Autoindustrie positionieren muss, um zu überleben.

Dabei wird jedoch davon ausgegangen, dass es auch in Zukunft den Wunsch geben wird, individuelle Fahrzeuge zu besitzen. Dokumentiert wird das schon in den Kapiteln über vier Zukunftsstudien der Fahrzeugentwicklung: Motorrad Vision Next 100, Mini Vision Next 100, Rolls-Royce Vision Next 100 und BMW Vision Next 100. Das Konzept der Mobile wird ausführlich dargelegt und in ausgezeichneten Abbildungen faszinierend vorgestellt. 

Allein der Fahrzeugbau wird aber schon mittelfristig ein Autounternehmen kaum tragen. Hoch interessant deshalb das Kapitel "Was wird aus der BMW Group?". Der Chefredakteur dieses Buchs, Adriano Sack, hat mit zahlreichen Mitarbeitern und Führungskräften bei BMW gesprochen und deren Vorstellungen wiedergegeben. Das reicht vom Fahrzeugbau über die unterschiedlichsten Mobilitätsprojekte wie autonomes Fahren, CarSharing, Pay-per-Use-Modellen, perfekt individualisierten Modellen bis zum Datensammeln und Datenschutz, „veganen“ Automobilen und teilweise schon errichteten Erlebniswelten. Es wird deutlich, dass sich sowohl die Geschäftsfelder als auch die Arbeitsplätze vollkommen ändern werden - sei es in der Produktion, sei es im Verkauf oder der Kundenbetreuung. 

In sieben "Gesprächen über das Morgen" treffen jeweils eine ranghohe BMWPersönlichkeit und ein im Bereich der Zukunftsforschung aktiver Wissenschaftler oder Künstler aufeinander. Dem vorangestellt sind mit Daten unterlegte Prognosen zur biologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung auf diesem Planeten. In die gleiche Richtung gehen zehn sehr unterschiedliche Essays unter dem Titel "Weltuntergang war gestern". 

Zum Glück bleibt aber die BMW-Historie nicht vollkommen außen vor. Das erste der insgesamt elf Kapitel schaut unter der Überschrift "Zurück in die Zukunft" auf über 60 Seiten auf bedeutsame Motorräder, Fahrzeuge und Konzepte von BMW zurück und spart in diesem Zusammenhang auch den Motorsport nicht aus. Und im zehnten Kapitel werden auf rund 50 Seiten überraschende Kreationen präsentiert, die man in den Archiven von BMW gefunden hat. 

Ein echter Leckerbissen ist das Kapitel "Fast and Curious", in dem Visionen zur Mobilität aus der bis zu tausenden von Jahren zurückliegenden Geschichte in teilweise prachtvollen Zeichnungen mit einprägsamen und ausführlichen Bildunterschriften gezeigt werden 

Die Texte stammen von Michael Seitz und Dr. Petra Thorbrietz. Das liest sich sehr spannend und verdeutlicht den immensen Wandel, der die Autoindustrie schon jetzt mit voller Härte getroffen hat. Viele der aufgezeigten Entwicklungen und Prognosen sind unausweichlich, in einigen Feldern ist vielleicht das letzte Wort noch nicht gesprochen, so dass beim Leser - durchaus gewollt - so manche offenen Fragen und Zweifel bleiben. 

Die Illustration ist mit rund 420 Fotos und zahlreichen Grafiken und Ablaufdiagrammen sehr reichhaltig. Die Abbildungen aus der BMW-Geschichte und zu den vier Fahrzeugen Vision Next 100 sind besonders reizvoll. Das Buch ist hervorragend verarbeitet und auf hochwertigem matten Papier überaus attraktiv gestaltet. Natürlich ist es als ein von BMW herausgegebenes Werk unvermeidlich auch ein Promotion-Book; das tut aber dem gelungenen Inhalt keinen Abbruch.

Thomas Nehlert

The Next 100 – Ideen, Visionen, Meinungen zur Welt von morgen 

Autor: Michael Seitz und Petra Thorbrietz, Redaktion: Adriano Sack 
Verlag: Hoffmann & Campe Verlag Hamburg, 2016 
Format und Umfang: Hardcover, 23 x 30 cm, 592 Seiten, rund 420 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 98,00 
ISBN: 978-3-445-50421-7 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert "Kunst und Technik – Eine neue Einheit“ Ausstellungskatalog der gleichnamigen Ausstellung in der Galerie für Kunst und Objekt Plathner.27 in Hannover vom 24.Mai bis 28. Juli 2017

"Die Möglichkeiten, sich künstlerisch mit dem Thema Automobil auseinanderzusetzen, sind Legion, ein unendlicher Ozean, aus dem wir eine winzige Auswahl gefischt, zusammengestellt haben."

Mit diesem Satz endet das Geleitwort des renommierten deutschen Automobil-Historikers und langjährigen Kurators des wundervollen Hamburger Automuseums "Prototyp" Martin Schröder für den 40seitigen Katalog zu der Ausstellung "Kunst und Technik – Eine neue Einheit". 

Die Exponate der Ausstellung waren vom 24. Mai bis zum 28. Juli 2017 in der Galerie Plathner.27 in Hannover zu bestaunen. Die Verbindung von Kunst und Technik lag auch dem von Walter Gropius geschaffenen Konzept des Bauhauses in Weimar zugrunde. Und so verwundert es auch nicht, dass die Werke der Ausstellung in Hannover auf vielfältige Weise Verbindungen zwischen Gebäuden, Automobilen als technischen Gegenständen und Kunstwerken in Form von Fotografien und Zeichnungen herstellen.

Dabei ist allerdings der banale Begriff des Automobils etwas zu einfach. Wer etwas über Martin Schröder, der an der Ausstellung maßgeblich beteiligt war, Bescheid weiß, wird nicht verwundert sein, dass insbesondere Rennwagen einer künstlerischen Ausleuchtung unterzogen wurden, die für Schröder von jeher eine besondere Bedeutung haben: der Auto Union Rennwagen Type C 1936, der Auto Union Type D 12-Zylinder 1938, der Cisitalia 360 von 1947, der Mercedes-Benz Rekordwagen von 1938 und der Borgward RSvon 1955. 

Der Auto Union Type C von 1936 nimmt dabei besonders großen Raum ein. Mehrere Fotos von Manfred Zimmermann zeigen diese automobile Ikone in der Aufsicht und in der Seitenansicht. Dieter Osler lichtet dieses beeindruckende Rennfahrzeug zusammen mit dem als Weltkulturerbe eingestuften Gebäude des Fagus-Werks in Alfeld an der Leine ab – und dabei kommt auf plastische Weise wieder die Verbindung zu Walter Gropius zustande, denn ein Foto zeigt den Rennwagen aufgerichtet vor dem Gropius-Glaswinkel des Fagus-Werks. Dazu kommen technische Zeichnungen und vier illustrierte Fotografien von Ben Wiesenfarth und Guido Herrmann; Wiesenfarth setzt dabei ein im Maßstab 1:8 gehaltenes Modell des Typ C fotografisch in Szene, und Herrmann übermalt die Fotografien in einer Weise, die den Übergang von Foto und Malerei fließend erscheinen lässt.

Unter Verwendung technischer Zeichnungen des Auto Union Type C von Janos Rakoczis schafft Uwe Schloen durch das teilweise Übermalen mit schwarzer Tusche und Deckweiß sowie den Einsatz eines Kohlestifts sechs Gouachemalereien, die der Ausstellung und auch dem vorliegenden Katalog besondere Akzente verleihen.

Weitere Fotos zeigen kunstvoll technische Details des von Ferdinand Porsche 1947 konstruierten Cisitalia und des Mercedes Rekordwagens, mit dem Rudolf Caracciola am 28. Januar 1938 auf der Autobahn Frankfurt-Darmstadt einen Rekord von 432 km/h aufstellte. Schließlich sollen noch zwei Fotografien nicht unerwähnt bleiben: Der von JuliusWeitmann abgelichtete Ventiltrieb des Borgward Rennmotors von 1955 stellt sich dem für die Technik zu begeisternden Betrachter ebenso als eigenes Kunstwerk dar wie die von Martin Schröder selbst fotografierte Kurbelwelle des Auto Union Type D 12-Zylinder in der nach Hellmuth Hirth benannten Bauweise. 

Wer es als Kunst- und Automobil-Interessierter nicht geschafft hat, die Ausstellung in Hannover zu besuchen, dem sei dieser attraktiv gestaltete Katalog empfohlen – eine Empfehlung, die auch mit einem Zitat aus Martin Schröders Geleitwort schließen soll: „Alle Personen und alle Arbeiten interpretieren das Thema 'Kunst und Technik – Eine neue Einheit' am Automobil, dem alle Lebensbereiche umfassenden Phänomen des vergangenen zwanzigsten Jahrhunderts.“ 


Kunst und Technik – Eine neue Einheit
Verlag: plathner.27, 
Galerie für Kunst und Objekt
Format und Umfang: Kartoniert, 23,5 x 30 cm, 40 Seiten 
Text: Deutsch 
Preis: € 19,80
zu beziehen über: https://plathner27galerie.com/verkauf/

Rezensionen Thomas Nehlert „Carrera RS“ Dr. Thomas Gruber und Dr. Georg Konradsheim, TAG Motor Books GmbH, Hannover, 2015

Für Porsche-Fans und Porsche-Fahrer war der 1972 vorgestellte und im Folgejahr in Produktion gegangene 911 Carrera RS mit 2,7 Liter Hubraum, 210 PS und dem prägnanten aber aerodynamisch so effektiven Entenbürzel der Traumwagen schlechthin; und er ist es bis heute geblieben. Diesem einzigartigen Porsche haben Dr. Thomas Gruber und Dr. Georg Konradsheim ihr herrliches Buch "Carrera RS" gewidmet.

Dreizehn Jahre nach der längst vergriffenen und teilweise zu aberwitzigen Preisen gehandelten Erstauflage hat der TAG-Verlag diese überarbeitete und deutlich erweiterte Ausgabe des Prachtbandes herausgebracht. Der Umfang ist von 256 auf 434 Seiten angewachsen, und auch die Illustration hat mit rund 1000 Abbildungen beträchtlich zugelegt.

Der Inhalt lässt sich am Besten durch die Titel der elf Kapitel dokumentieren: "Carrera Panamericana", "Vorgänger", "Porsche 916", "Entwicklung", "Produktion", "Technik", "Modelle & Ausstattungen", "Sondermodelle", "Presse & Marketing", "Sport" und "Alle Carrera RS". Schon diese Aufzählung macht deutlich, dass wirklich kein Aspekt des 911 Carrera RS unberücksichtigt geblieben ist. Zahlreiche Anhänge mit Reproduktionen aus der Betriebsanleitung, Kundendienstinformationen, Homologationspapieren, den technischen Daten sowie einem Personenregister und einem Literaturverzeichnis runden dieses hervorragende Werk ab. Neben der spannenden Entwicklungsgeschichte, der technischen Dokumentation mit vielen Schnittzeichnungen und Fotografien technischer Details und der Vorstellung des Ausstattungsprogramms inklusive einer Darstellung aller verfügbaren Lackierungen begeistern insbesondere die motorsportliche Historie des RS und die Auflistung aller produzierten Fahrzeuge. Sowohl die Leidenschaft der Autoren für das Thema als auch die unglaublich in die Tiefe gehenden Recherchen zum Carrera RS sind unübersehbar.

Das Buch ist in einer edlen Leinenausstattung mit einem soliden Schuber aufgelegt, die Qualität von Papier, Druck, Bildreproduktion und Verarbeitung ist ausnahmslos erstklassig. Wie schon die erste ist auch diese Auflage auf 3000 Exemplare limitiert, die sicherlich alsbald vergriffen sein werden. Und so relativiert sich der hohe Preis dieses außergewöhnlichen Buchs über einen außergewöhnlichen Sportwagen.

Carrera RS Autoren: Dr. Thomas Gruber und Dr. Georg Konradsheim
Verlag: TAG Motor Books GmbH, Hannover, 2015
Format und Umfang: Hardcover, 25,7 x 29,9 cm, 434 Seiten im Leinenschuber, rund 1000 Abbildungen
Text: Deutsch (die englischsprachige Ausgabe ist bereits vergriffen)
Preis: € 438,00

"Carrera 2.7" Ryan Snodgrass, Parabolica Press, Kirkland WA, USA, 2016 

Nur kurz nach dem Buch über den Porsche 911 Carrera RS erschien in gleichem Format der Band "Carrera 2.7" von Ryan Snodgrass. Der Autor hat dieses Werk in seinem Verlag Parabolica Press in den USA verlegt, gedruckt wird es - wie auch "Carrera RS" - im Media Druckwerk Hamburg, und für die Gestaltung ist ebenfalls wie beim RS-Buch Christoph Mäder verantwortlich.

Nachdem der Carrera RS als Sondermodell und Höhepunkt des 911 in seiner Urform nur kurz produziert worden war, verwendete Porsche das 2,7-Liter-Triebwerk mit 210 PS auch im nachfolgenden G-Modell ab Modelljahr 1974 mit den den US-Vorschriften entsprechenden so typischen kantigen Stoßfängern und behielt diesen Carrera 2.7 für zwei Jahre im Modellprogramm, bevor er zum Modelljahr 1976 vom Carrera 3.0 abgelöst wurde. Mit dieser doch sehr überschaubaren Produktionszeit entwickelte sich auch der Carrera 2.7 zu einem sehr raren Modell, das in den Fahrleistungen dem legendären Carrera RS in nichts nachstand.

Mit der gleichen Akribie und Leidenschaft wie im RS-Buch werden hier die Technik, die Entwicklung, die Ausstattungsmerkmale und die Motorsporteinsätze des Carrera 2.7 dokumentiert. Die neun Kapitel des 406 Seiten umfangreichen Buchs lauten "Carrera Unveiled", "Drivetrain", "Rolling Classic", "Body", "Interior", "Special Models", "Racing", "Accessoires" und "Literature". Dazu kommen noch vier Anhänge mit dem Homologationsblatt für Renneinsätze, den technischen Daten und einer Aufstellung der technischen Veränderungen von Mai 1973 bis Juni 1975. Da bleibt wahrhaft keine Frage zum Carrera 2.7 unbeantwortet. Und es ist sicherlich kein Zufall, dass Georg Konradsheim, ein Autor des RS-Buchs, für den Band über den Carrera 2.7 das Vorwort geschrieben hat. Gerade die enge Verbindung zwischen den beiden Büchern macht den Erwerb beider Bände so reizvoll.

Auch "Carrera 2.7" ist mit weit über 650 Abbildungen großartig illustriert. Auswahl und Reproduktion der bis ins Detail gehenden Fotos begeistern ebenso wie die edle Ausstattung und makellose Verarbeitung. 

Carrera 2.7 
Autor: Ryan Snodgrass 
Verlag: Parabolica Press, Kirkland WA, USA, 2016 
Format und Umfang: Hardcover, 25,7 x 29,9 cm, 
406 Seiten im Leinenschuber, über 650 Abbildungen Text: Englisch 
Preis: € 279,00 

"turbo 3.0" Ryan Snodgrass, Parabolica Press, Kirkland WA, USA, Ende 2017

"911 R", TAG Motor Books GmbH, Hannover, Ende 2017

Voraussichtlich noch dieses Jahr werden beide Verlage jeweils ein weiteres Luxusbuch im vergleichbaren Format herausbringen. Bei Parabolica Press hat Ryan Snodgrass seinen 536 Seiten dicken Band über den Porsche Turbo 3,0 – den Ur-Turbo also – fast fertig. Unter dem Titel „turbo 3.0“ wird das auf 2500 Exemplare limitierte Werk ab Oktober wahrscheinlich 380,00 € kosten. 

Zu dem neuen Buch von TAG Motor Books ist nur soviel bekannt, dass es sich um ein Buch über den Porsche 911 R handeln wird, und zwar sowohl über das aktuell gerade ausverkaufte Sondermodell der Baureihe 991 als auch über die ursprüngliche Version des Ur-Elfers von 1967. 

Alle Bände sind über den jeweiligen Verlag und auch bei "racingwebshop.com" erhältlich bzw. bestellbar.




Rezension Thomas Nehlert „Auto Union DKW - Im Spiegel der Werbung von 1949 bis 1966“, Ralf Friese, Delius Klasing Verlag,

DKW war ein nach dem ersten Weltkrieg gegründetes Unternehmen, das 1932 in der Auto Union aufging und in der Zeit von 1949 bis 1966 in Ingolstadt frontangetriebene Zweitakt-Fahrzeuge herstellte. Die wahre Herkunft des Namens DKW beruhte auf der Entwicklung eines DampfKraftWagens durch Jorgen Skafte Rasmussen und seinen Freund Mathiesen im Jahr 1916, wenngleich auch die Bezeichnung des zur gleichen Zeit von Hugo Ruppe entwickelten kleinen Zweitaktmotors als "Des Knaben Wunsch" und die Titulierung eines Fahrradhilfsmotors als „Das Kleine Wunder“ zur Begründung der Abkürzung DKW herhalten dürfen. 

Im vorliegenden qualitativ hochwertigen Buch werden auf über 330 Abbildungen die Nachkriegsmodelle von DKW unter Bezugnahme auf Werbung und Prospekte in drei Abschnitten dokumentiert. Gut 100 Seiten befassen sich mit den Personenwagen vom DKW F 10 über den 3=6 und AU 1000 bis zum Junior, F 11/F 12 und F 102. Es schließen sich die kommentierten Reproduktionen von Prospekten des Munga-Geländewagens und der Lieferwagen vom F 89 über den F 800 bis zum F 1000 L an. Zu jedem auszugsweise wiedergegebenen Prospekt hat Ralf Friese eine kurze Beschreibung hinzugefügt. Diese Kommentare gehen nicht nur knapp auf das jeweilige Fahrzeug ein, sondern charakterisieren auch das gezeigte Prospektmaterial, das zum weit überwiegenden Teil aus dem Archiv des Autors Ralf Friese stammt. 

Auf diese Weise entsteht nicht nur ein überaus reizvoller Überblick über die Entwicklung der DKW-Modelle, sondern insbesondere auch eine Rückschau auf Grafik, Fotografie und Inhalt der Werbung in den 1950er und 1960er Jahren. Hält man heutzutage teilweise über 100seitige Bücher als Prospekte in den Händen, so begnügte sich die Auto-Industrie seinerzeit mit 4- bis 16-seitigen Faltblättern, die durch gelungene künstlerische Gestaltung und eine Beschränkung auf die wesentlichen Daten überzeugten. Allerdings konnte die Modellvielfalt damals mit der heutigen Flut von Varianten und Ausstattung auch nicht annähernd mithalten. 

Es ist eine wahre Freude, durch einen Blick auf die zeitgenössischen Prospekte die damalige Motorisierung noch einmal vor dem geistigen Auge Revue passieren zu lassen. Die kunstvoll gezeichneten Illustrationen zeigen überwiegend ein heiles Familienidyll, in dem der „Herr des Hauses“ am Steuer sitzt, seine Frau mehr als Zierde neben dem DKW steht und manchmal auch die Kinder voller Stolz im oder am neuen DKW posieren. Wenn auch diese früheren Zeiten nicht besser waren, so erinnert man sich mit solch gelungenen Vorlagen doch nur zu gerne.


Autor: Ralf Friese 
Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017 
Format und Umfang: Hardcover, 23,8 x 27,2 cm, 160 Seiten, rund 330 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 39,90 
ISBN: 978-3-667-10913-2 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert „Verlorene Freunde - Das Leben und Sterben der größten Rennfahrer“ Elmar Brümmer und Ferdi Kräling, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

Früher war es ein omnipräsentes Thema: der Rennfahrer-Tod. Und die heute zum Glück gewonnene Sicherheit im Automobilsport darf nicht darüber hinweg täuschen, dass Motorsport nach wie vor eine überaus gefährliche Angelegenheit ist. Der tragische Tod von Jules Bianchi hat dies vor nicht langer Zeit wieder in Erinnerung gerufen. In der Epoche zwischen 1960 und 1990 jedoch kamen jährlich mehrere Rennfahrer durch Unfälle auf den Rennstrecken oder auch bei Abstürzen mit ihren Privatflugzeugen ums Leben. 

Der 144 Seiten umfangreiche Band würdigt insgesamt 19 in dieser Zeitspanne verstorbene Piloten in umgekehrt chronologischer Reihenfolge ihres jeweiligen Todesdatums. Die Porträts reichen von Michele Alboreto, Ayrton Senna und Stefan Bellof über Manfred Winkelhock, Rolf Stommelen, Gilles Villeneuve, Harald Ertl, Ronnie Peterson, Carlos Pace, Tom Pryce, Graham Hill, Francois Cévert, Joseph Siffert, Pedro Rodriguez bis zu Jochen Rindt, Piers Courage, Gerhard Mitter, Jim Clark und Graf Berghe von Trips. Die einzelnen Kapitel sind sechs bis zehn Seiten lang. Die Texte hat der bekannte Motorsport-Autor Elmar Brümmer mit tiefgehender Kenntnis und Einfühlsamkeit verfasst, wobei er auch die tödlichen Unfälle und ihre Ursachen zutreffend analysiert. 

Die rund 75 Fotos stammen zum weit überwiegenden Teil aus dem Archiv des renommierten Motorsportfotografen Ferdi Kräling. Zu jedem der gewürdigten Fahrer findet der Leser ein bis zwei großformatige Aufnahmen, die die betreffenden Piloten am Steuer der von ihnen gefahrenen Rennwagen zeigen, und ein ganzseitiges Porträtbild. Dazu kommen noch einige Fotos, die das Unfallgeschehen wiedergeben. Am beeindruckendsten sind allerdings die Fahrerbilder, die große Erinnerungen wachrufen. Für mich ragt unter all diesen Ablichtungen das Porträt von Jim Clark ganz besonders heraus; der 1968 verunglückte Schotte beeindruckte nicht nur durch sein unglaubliches fahrerisches Können, sondern auch durch seine Vielseitigkeit und seine charismatische Ausstrahlung – ähnlich wie etwa 25 Jahre später Ayrton Senna. 

Dies ist ein hervorragend verarbeitetes Buch mit brillanter Bildwiedergabe auf edlem Mattglanzpapier, das den älteren Leser in die Zeit seiner Jugend zurückversetzt und dem jugendlichen Betrachter die heute kaum nachvollziehbare Gefährlichkeit des Motorsports vor 50 Jahren vor Augen führt. 


Autoren: Elmar Brümmer (Texte), 
Ferdi Kräling (Fotos) 
Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017 
Format und Umfang: Hardcover, 21,6 x 28,6 cm, 
144 Seiten, rund 75 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 39,90 ISBN: 978-3-667-10970-5 


Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert „Erich Strenger und Porsche Ein grafischer Bericht“, Mats Kubiak, Delius Klasing Verlag, Bielefeld,

Porsche ist die letzte verbliebene Automarke, die im Rahmen der "Edition Porsche Museum" in Zusammenarbeit mit verschiedenen Verlagen eine eigene Buchreihe herausgibt. Der neueste Band der Edition aus dem Delius Klasing Verlag befasst sich mit dem Wirken und Schaffen Erich Strengers, der das Erscheinungsbild des Stuttgarter Unternehmens im Bereich der "gedruckten Kommunikation" wesentlich geprägt hat. 1952 gründeten Richard von Frankenberg und er die bis heute erscheinende Kundenzeitschrift "Christophorus", zweifellos die beste Zeitschrift auf dem Gebiet der Kundenpflege, die inzwischen in der 380. Ausgabe in elf Sprachen und in einer Gesamtauflage von über 500.000 Exemplaren auf den Markt kommt. Außerdem gestaltete Strenger zahlreiche Prospekte und Werbeanzeigen für Porsche, bevor er sein eigenes Unternehmen vom für Porsche tätigen Atelier in eine unabhängige Werbeagentur umwandelte. Seinen Lebensabend verbrachte der 1922 geborene Erich Strenger auf Mallorca, 1993 verstarb er. 

Mats Kubiak, Sohn des durch mehrere Bücher über den Porsche 356 und Porsche 911 bekannten Achim Kubiak, zeichnet in sieben Kapiteln das Leben Erich Strengers nach. Nach einem Blick auf Strengers Privatleben bilden die Abschnitte über den „Christophorus“, die Porsche-Prospekte, -Werbeanzeigen und -Rennplakate auf rund 110 Seiten den wesentlichen Teil des Bandes. Beschreibungen zur Werbeagentur Strenger und die Würdigung seiner Freien Arbeiten schließen sich vor einem dreiseitigen Fußnotenverzeichnis an. 

Die Texte sind verhältnismäßig kurz, verraten aber eine sorgfältige Recherche, geben sie doch auch Äußerungen einiger Weggefährten Strengers und auf diese Weise zudem viele Interna der Kommunikationsstrategie bei Porsche wieder. Es spricht für Porsche, dass auch die etwas zwiespältige Trennung von Erich Strenger, die aber immerhin zur großzügigen Übergabe eines 911 führte, nicht ausgespart wird. Und wen es interessiert, wie es zu der für Porsche-Betriebsanleitungen und Prospekte charakteristischen bordeauxroten Farbgestaltung kam, der erfährt ebenfalls unter dem Begriff "HKS17" Aufklärung. 

Das Buch ist in einem kompakten Format gehalten und liegt beim Lesen angenehm in der Hand. Die Kehrseite davon ist, dass die im Original großflächigen Plakate und Prospekte diesem Buchformat entsprechend nur stark verkleinert wiedergegeben werden können. Die Qualität der Reproduktion der rund 195 Abbildungen auf wertvollem offenporigen Papier ist sehr gut, so dass man trotz der reduzierten Größe die prachtvolle grafische Gestaltung der Porsche-Rennplakate von den Läufen der Sportwagen-Weltmeisterschaft, den 24 Stunden von Le Mans oder aus der CanAm-Serie genauso genussvoll betrachten kann wie die liebevoll ausgeführten Prospekte vom Porsche 904 GTS, vom 911 Carrera RS und all den Varianten des 356. Nicht weniger reizvoll sind die phantasievollen Werbeanzeigen und vor allem auch die abwechslungsreichen und künstlerisch anspruchsvollen Titelblätter des „Christophorus“ - namentlich im Ursprung ja der Schutzheilige der Reisenden, der beim Mitbegründer der gleichnamigen Zeitschrift, Richard von Frankenberg, sowohl auf der Rennstrecke als auch im Straßenverkehr gut zu tun hatte . . . 


Erich Strenger und Porsche Ein grafischer Bericht“

Autor: Mats Kubiak 

Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017
Format und Umfang: Hardcover, 19,2 x 25,6 cm, 192 Seiten, rund 195 Abbildungen 
Text: Deutsch 
Preis: € 39,90 
ISBN: 978-3-667-10969-9

Rezension Thomas Nehlert „Porsche Klassik – Ausgabe 11“ und „Porsche Klassik – Ausgabe 11 (Hefte 1-10)“ Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

Richard von Frankenberg und Erich Strenger gründeten im Jahre 1952 das Magazin "Christophorus", welches das Porsche-Werk bis heute seinen Kunden inzwischen fünfmal jährlich zukommen lässt. Diese Zeitschrift ist nicht nur die älteste aller PorschePublikationen, sondern gilt nicht ohne Grund als bestes Kunden-Periodikum im AutomobilSektor. Frühe Hefte werden als Sammlerstücke zu immensen Preisen gehandelt. Vom „Christophorus“ sind bis heute 380 Ausgaben erschienen, zuletzt in elf Sprachen mit einer Gesamtauflage von über 500.000 Exemplaren. 

Seit den 1980er Jahren sind unzählige weitere Titel zum Thema "Porsche" hinzugekommen – von den Blättern der zahlreichen Porsche-Clubs bis zu unabhängigen Zeitschriften in fast allen Ländern, in denen Porsche-Fahrzeuge verkauft werden. Erst jüngst ist in Kalifornien von Pete Stout ein Luxus-Magazin mit dem sich auf die dreiziffrigen Typenbezeichnungen von Porsche beziehenden Titel "000“ ins Leben gerufen worden – das Jahresabonnement mit vier Heften zum grenzwertigen Preis von 350 $.

Der Delius Klasing Verlag, der als sogenannter "Corporate Publisher" auch für den "Christophorus" redaktionell mitverantwortlich ist, bringt seit 2012 das zweimal im Jahr erscheinende Magazin "Porsche Klassik" heraus. Jede Ausgabe hat einen Umfang von 130 Seiten. Der Themenschwerpunkt liegt sowohl auf der Unternehmensgeschichte als auch auf historischen Porsche-Modellen vom 356 über den 911 und die TransaxleFahrzeuge bis zu den Rennwagen. 

Unlängst ist die elfte Ausgabe von "Porsche-Klassik" erschienen, wieder mit zahlreichen Berichten aus der Geschichte des Sportwagenherstellers. Ein Themenschwerpunkt ist der Vergleich dreier Generationen des Porsche 911 Turbo: der 964 3.8 Liter, der 993 und der ganz aktuelle 991/2 zeigen, dass der Turbo in jeder Entwicklungsstufe das Nonplusultra eines alltagstauglichen Hochleistungssportwagens war und ist. So unschuldig die weiße Lackierung der gefahrenen 911 Turbo auch wirkt, so gewaltig ist doch das Leistungsvermögen aller Modelle. Ein weiterer Leckerbissen für die Elfer-Freunde ist der Bericht über den alten 911 R, den seinerzeit Gérard Larrousse pilotierte. Als noch relativ kostengünstiger Einstieg in die Porsche-Welt wird der 944 vorgeschlagen, eine Vorstellung befasst sich mit einem viersitzigen 928-Prototypen, und die Rennsporthistorie findet ihre Berücksichtigung mit einem Artikel über den 904/03. Ein Blick in die US-Szene, zahlreiche Standard-Rubriken und natürlich eine Würdigung Walter Röhrls aus Anlass seines 70. Geburtstages runden das weite Spektrum der Porsche-Themen ab. 

Die Texte stammen wie immer von ausgewiesenen Porsche-Spezialisten, die Illustration auf hochwertigem Papier mit teilweise großformatigen und künstlerisch gestalteten Aufnahmen entspricht dem hohen Qualitätsanspruch des Magazins. 

Zeitgleich mit der elften Ausgabe hat der Delius Klasing Verlag aus Anlass des fünfjährigen Bestehens von "Porsche Klassik" einen Jubiläumsschuber mit den ersten zehn Ausgaben herausgebracht. So kann jeder Porsche-Enthusiast seine Kollektion vervollständigen, und das lohnt sich. Hier nur ein kurzer Ausschnitt einiger Themen der ersten zehn Hefte: 

Nr.1: Die Design-DNA des 911, 550 Spyder – Spurensuche James Dean; 
Nr.2: Ferdinand Alexander Porsche, 911 Targa, 928 GTS, H-J. Stuck in Le Mans; 
Nr.3: Der Turbo, Porsche in Kalifornien, 914, Le Mans 1953; 
Nr.4: 50 Jahre Porsche 911; 
Nr.5: Ikone Porsche 356, Targa Florio, 911 G; 
Nr.6: Porsche in den USA, 911 Speedster G-Modell, 996-Tipps; 
Nr.7: Carrera RS, Vierzylinder: 924-944-968, Mark Webber im Turbo; 
Nr.8: Walter Röhrl: 911 Carrera 2 im Vergleich mit Carrera 4, 30 Jahre 959; 
Nr.9: Mittelmotor-Spezial, McQueen privat in Le Mans; 
Nr.10:911 Carrera Club Sport, Jägermeister 914/6, 50 Jahre Fuchs-Felge. Allein diese nur sehr auszugsweise Übersicht verdeutlicht die große Themenvielfalt der "Porsche Klassik". 

Und wo bekommt man sonst tatsächlich nicht weniger als 1300 Seiten über die Porsche-Historie für nur € 89,- !

Thomas Nehlert

Porsche Klassik Ausgabe 11 

Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017
Format und Umfang: Kartoniert, 23 x 28 cm, 130 Seiten 
Text: Deutsch Preis: € 8,00 

Überall im Zeitschriftenhandel erhältlich Porsche Klassik Jubiläums-Schuber (Ausgaben 1-10) 

Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017 Format und Umfang: Schuber, 23,7 x 29,3 cm, 1300 Seiten Text: Deutsch Preis: € 89,00 

Nur beim Delius Klasing Verlag online bestellbar

Rezension: Peter J. König: VW Käfer Das Buch- Keith Seume - Prestel

Der Autor Keith Seume hat zusammen mit dem Prestel Verlag einen Bildband auf den Weg gebracht, der einen Mythos zum Thema hat. Es geht dabei um das wohl berühmteste Gefährt, das die Automobil-Branche jemals hervor gebracht hat, den Käfer. Sein Erfinder und Konstrukteur Ferdinand Porsche hatte von Hitler persönlich den Auftrag erhalten ein Automobil zu bauen, das im wahrsten Sinne des Wortes ein "Volkswagen" sein sollte, ein Kleinwagen einfach und doch genial konzipiert, der massentauglich, quasi ein Vehikel für jedermann war. 

Mitte der 1930er-Jahre entwarf der innovative Autobauer Ferdinand Porsche ein Konzept, das bis zum Ende der Ära des Käfers immer noch erkennbar ist. Dieser Käfer hat nicht nur Adolf Hitler und das Dritte Reich überlebt, auch dank militärischer Varianten, gegen alle Erwartungen haben die britischen Streitkräfte unmittelbar nach dem Krieg und dem Zusammenbruch der Wirtschaft des "Tausendjährigen Reiches" begonnen, die Wiedergeburt dieses genialen Konstrukts namens Käfer in die Wege zu leiten. 

Damit begann eine einzigartige Erfolgsgeschichte, die sich bis zum 30. Juli 2003 dahin zog, als im mexikanischen Puebla das allerletzte Modell vom Band lief. Insgesamt wurden 21 529 464 Käfer produziert. Nur der Toyota Corolla wurde öfters gebaut, hat aber nicht annähernd einen solchen Bekanntheitsgrad und diesen einzigartigen Kult-Status erreicht wie besagter Käfer. Ob als Limousine oder Cabriolet, dieses Auto war der Traum des kleinen Mannes, familientauglich oder gebraucht,  um Studenten die erste eigene motorisierte Fortbewegung zu ermöglichen, sie alle haben ihren Käfer geliebt und waren stolz auf ihn. 

Im Nachkriegs- Deutschland trug er entscheidend zur Massenbeweglichkeit bei und immer noch nach über 50 Jahren und einer stetigen Weiterentwicklung des Modells war die Abstammung und die Handschrift seines Erfinders Ferdinand Porsche klar zu erkennen. Der Käfer hat die ganze Welt erobert, speziell auch die USA als "das" Studenten-Auto, auch Hollywood, wo er Filmgeschichte geschrieben hat, als Hauptdarsteller in mehreren spektakulären Streifen. 

Nachdem in Deutschland die Produktion eingestellt wurde, gab es zunächst noch Modelle überwiegend für den Mittel- und Südamerikanischen Markt, gebaut in Mexiko und Brasilien. Das endgültige Aus kam dann Ende Juli 2003. Heute gelten gut erhaltende Käfer speziell aus den frühen Jahren als begehrte Sammler-Objekte. 

Keith Seume und Prestel haben mit dem Fotoband "VW Käfer Das Buch" eine sehr detaillierte und umfassende Sammlung in Bild und Text zusammengestellt, die bis ins kleinste Detail die Entwicklung des Käfers ganz von den einfachen Anfängen bis zur Ausstattung und Erscheinung des letzten vom Band gelaufenen Modells dokumentiert. Besonders die sehr umfangreiche Palette an Abbildungen sämtlicher Käfer ruft beim aufmerksamen Betrachter, der die aktive Zeit dieses einzigartigen Autos erlebt hat, nostalgische Emotionen hervor. 

Für den Technik-Freak ist die Gesamtheit der Palette mit allen technischen Details interessant, die hier ausgiebig dargestellt wird. Beginnend zunächst mit dem Vorwort, werden folgende Inhalte angesprochen:

Bescheidene Anfänge 
Neubeginn inmitten von Ruinen 
Die Eroberung der Neuen Welt 
Wandel als Konstante 
Neue Horizonte 
Renaissance unter südlicher Sonne 

Danach folgen alle Modelle des Käfers von 1934 bis 1990 und zwar jeweils mit einer Komplett-Aufnahme und vielen Einzel-Ansichten. Dieser Teil umfasst allein 220 Seiten voll mit visuellen Eindrücken und technischen Erläuterungen von den Motordaten bis zur Zahl der hergestellten Fahrzeuge der jeweiligen Modellreihe. Den Abschluss bilden dann "die Details", wo ebenfalls in Wort und Bild akribisch aufgezeigt wird, wie im Rahmen der Modellpflege über die Jahrzehnte der Käfer im Detail verändert und sehr moderat modernisiert wurde. 

Auch hier eine kurze Auflistung:

Motoren 
Räder 
Frontscheinwerfer 
Rückleuten 
Innenspiegel
Türgriffe
Fronthaubengriffe
Kennzeichenleuchten
Fahrtrichtungsanzeiger
Armaturenbrett 

So viel Detail-Liebe ist schon mehr als beachtlich, lässt aber das Herz jeden Käfer-Fans höher schlagen.

Dieser Bildband ist nicht nur eine Hommage an den Käfer, er zeigt eine einzigartige Automobil-Geschichte auf und dokumentiert den gigantischen Erfolg eines Konstrukteurs der zweifellos als genial bezeichnet werden darf.

Mit Ferdinand Porsche begann einst das Unternehmen Volkswagen, das heute mit zu den größten Automobil-Herstellern der Welt zählt. Ohne den Käfer wäre dies alles sicher aber nicht möglich gewesen. 

Sehr empfehlenswert.

Peter J. König

Überall im Handel erhältlich
Online:  Prestel oder Amazon

Rezension Thomas Nehlert "WR 70 – 70 Jahre Walter Röhrl" - Delius Klasing Verlag, Bielefeld, 2017

Zum 70. Geburtstag von Walter Röhrl hat der Delius Klasing Verlag diesen großformatigen Band präsentiert. Es sind in letzter Zeit mehrere sehr gelungene Bücher über Deutschlands Rallye-Legende auf den Markt gekommen, doch WR70 unterscheidet sich vollkommen von den anderen Publikationen. Hier wird nicht die Karriere Röhrls chronologisch nachgezeichnet, hier gibt es keine Rallyeberichte oder Erfolgsstatistiken - nein, hier wird Röhrls Lebenswerk mit rund 80 großartigen Fotos pointiert und doch repräsentativ beleuchtet. 

Es sind fast ausnahmslos erstmals veröffentlichte Abbildungen, allein 59 in einem sich jeweils über zwei Seiten erstreckenden Format. Das reicht von Bildern des jungen Rallyefahrers mit dem Ford Capri und Opel Ascona über die ganze Bandbreite seiner Werkseinsätze für Opel, Fiat, Lancia und Audi bis zu seiner aktuellen Tätigkeit als Porsche-Markenbotschafter und als in die Entwicklung der Stuttgarter Sportwagen eingebundener Versuchsfahrer. Insbesondere die Aufnahmen, die Röhrl als Menschen zeigen, beeindrucken durch die Tiefe ihrer Porträtwiedergabe, und sie spiegeln zudem die Vielschichtigkeit der Persönlichkeit eines der größten Motorsportlers aller Zeiten wider. Da sieht man Röhrl, wie er die Rallyefahrzeuge über die Pisten peitscht, wie er ebenfalls erfolgreich Ausflüge in den Rundstreckenrennsport unternimmt, wie er sich mit seinen Beifahrern und Teammanagern bespricht, wie er auf dem Fahrrad trainiert und wie er daheim am Schreibtisch - für ihn sicherlich manchmal lästige - andere Arbeiten verrichtet. 

Herrlich die Bilder von einer Fahrt mit dem früheren Porsche-Vorstand Wendelin Wiedeking im Porsche Panamera, einem Motorsport-Skeptiker, der seinerzeit für die wirtschaftliche Gesundung des Familienunternehmens so unendlich viel geleistet hat. Porsche hat dieses Buchprojekt unterstützt, und so ist es kein Wunder, dass man Röhrl auch auf vielen Fotos mit den Sportwagen aus Zuffenhausen sieht. Mir persönlich sind dabei besonders die Aufnahmen von seinen Einsätzen 1981 mit dem Porsche 924 Carrera GTS aufgefallen - sei es in der Deutschen Rallye-Meisterschaft oder bei den 24 Stunden von Le Mans. Röhrls Herz schlägt von Jugend an im Porsche-Takt, und deshalb passt die Äußerung "eine Garage ohne Porsche 911 ist doch ein ödes, leeres Loch!" so hervorragend zu ihm.

WR70 ist jedoch kein reiner Bildband. Acht Wegbegleiter Walter Röhrls - unter ihnen sein langjähriger Copilot Christian Geistdörfer, der renommierte Autor Herbert Völker und der für seine unglaublich guten Rallye-Filmproduktionen bekannte Helmut Deimel - geben in sehr persönlichen Berichten ihre Erinnerungen an den großgewachsenen Regensburger wieder. Und aus diesen jeweils rund vier bis sechs Seiten langen Beschreibungen fügt sich nicht nur das Bild eines begnadeten Motorsportlers sondern auch das einer zutiefst beeindruckenden Persönlichkeit zusammen.

Fotos und Texte sind auf hochwertigem Papier hervorragend reproduziert, auch das Layout des Bandes ist überzeugend. Eine wirklich schöne Hommage an den - kaum glaublich - 70jährigen Walter Röhrl.


WR 70 70 Jahre Walter Röhrl 
Verlag: Delius Klasing Verlag Bielefeld, 2017
Format und Umfang: Hardcover, 26,5 x 30.5 cm, 200 Seiten, rund 80 Abbildungen
Text: Deutsch Preis: € 29,90 
ISBN: 978-3-667-11021-3 
Überall im Buchhandel erhältlich

Rezension Peter J. König: Christophorus 378 Porsche Magazin .

Christophorus ist das offizielle Magazin des Sportwagen-Herstellers Porsche. Hier werden Monat für Monat immer wieder neue Beiträge präsentiert, die sich rund um die Kultmarke Porsche drehen. Dabei handelt es sich um alle möglichen Artikel und Reportagen, von der Vorstellung der neusten Modelle aus dem Hause Porsche, über Fahrberichte, wie etwa bei dem hier vorliegenden Heft 4/2016, wo der neue Panamera Turbo seine Prüfung als weltweit schnellste Gran Turismo Limousine auf der Nordschleife des Nürburgrings besteht. 

Die weltumspannende Familie der Porsche-Liebhaber ist vielfältig und facettenreich. Auch dieses zeigt das Christophorus Porsche Magazin, wenn etwa davon berichtet wird, wie Porsche Enthusiasten in Kalifornien frühere Rennsportwagen der Marke mit viel Akribie restaurieren, ebenso aber auch Ersatzteile sammeln, ohne die eine Original-getreue Wiederherstellung gar nicht möglich wäre. Natürlich gibt es ausführliche Berichte von Renn-Einsätzen, überall auf der Welt, wo Porsche-Boliden zum Einsatz kommen. 

Erinnert wird an legendäre Rennfahrer, die für das Haus in Zuffenhausen größte Erfolge eingefahren haben. Auch immer wieder werden ästhetische Momente gezeigt, die einhergehen mit der Stilistik dieser edlen Fahrzeuge, bezüglich ihren Karosserien mit den geschwungenen Linien und der windschnittigen Form. Wie ein Porsche Cayenne seinen Alltag meistert in schwierigen Landschaften, etwa wie hier auf Island, ist ebenso ein Thema, oder aber auch der Bericht, wie der Sohn Jürgen Barth mit dem neuen 718 Boxter S an die legendären Erfolge seines Vaters dem Bergkönig Edgar Barth noch einmal auf der Schauinsland Rennbergstrecke erinnert. Diese und viele andere Geschichten werden im Christopherus Porsche Magazin erzählt. 

Dabei spürt man immer die Nähe zu den Geschehnissen. Hier wird klar, dass die Verfasser der Reportagen mit ganzem Herzblut und hautnah dabei sind. Die Ausgabe 4/2016 wartet allerdings noch mit einer anderen Besonderheit auf. Der Fotograf Martin Schoeller, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Vertreter seiner Zunft hat eine Portrait-Reihe entstehen lassen, die mehr als beeindruckend ist. Er hat sechs LMP1-Piloten unmittelbar nach der Ankunft in der Box bei einem Rennen auf dem Nürburgring fotografiert und dabei die unterschiedlichsten Emotionen ausdrucksstark im Bild festhalten können. Es handelt sich um die Werksfahrer Mark Webber, Brendon Hartley, Timo Bernhard, Marc Lieb, Romain Dumas und Neel Jani. Authentischer kann der Eindruck von einem Piloten nicht sein, als wenn er unmittelbar nach Ende eines Rennens beim Ausstieg aus seinem Boliden fotografisch eingefangen wird. Und jeder zeigt eine andere Facette seines emotionalen Zustandes, sei es Entschlossenheit, Kampfgeist oder Siegeswille. 

Die Herausgeber des Christopherus haben ein bibliophiles Experiment gewagt, wenn sie die Ausgabe 4/2016 in sechsfacher Ausführung konzipiert haben und dabei jeder Pilot mit seinem Portrait als Cover der gleichen Ausgabe aufgelegt wurde. Um allen 6 Magazinen den geeigneten Rahmen zu verleihen, wurden sie in einen sehr ansprechenden mattschwarzen Einschub integriert. Ergebnis ist die Besonderheit eines Magazins, das sich ideal als Sammel-Objekt eignet. Neben der Fülle von Porsche-Bildbänden ist dies eine bemerkenswert neue Sicht auf das immer präsente Thema: den Porsche. 

Empfehlenswert 

Peter J. König

Überall im Handel erhältlich

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Rezension Thomas Nehlert "99 automobile Klassiker und ihre Spitznamen" und "99 automobile Rennklassiker und ihre Spitznamen " - Autoren: Helge Jepsen (Zeichnungen), Michael Köckritz (Text), teNeues Verlag, Kempen, 2016

Jeder Auto-Enthusiast weiß, welche Fahrzeuge sich hinter Begriffen wie "Käfer", "Leukoplastbomber", "Rennpappe" oder "Flügeltürer" verbergen. Aber es gibt sehr viele weitere Automobile, die vom Volksmund oder von ihren Besitzern mit Spitznamen versehen wurden. Der Herausgeber des Automagazins "Ramp", Michael Köckritz, hat in diesem Band insgesamt 99 fahrbare Untersätze und ihre Spitznamen zusammengetragen und nach den sie herstellenden Marken alphabetisch geordnet. Das reicht von der Adler 2.5 Liter Sport Limousine als "Autobahnadler" über die Alfa Romeo Giulia als "Knochenheck", die BMW Isetta als "Knutschkugel", den Glas V8 als "Glaserati" bis zum Mercedes-Benz 300 als "Adenauer" und VW 411 als "Nasenbär" - um nur einige wenige Beispiele anzuführen. Die am stärksten vertretenen Marken sind Ford, Mercedes, Volvo und VW. Die zu den jeweiligen Autos verfassten Texte sind knapp, informativ und unterhaltsam und werden durch die technischen Kerndaten ergänzt. Dabei wird deutlich, dass das mit den Spitznamen zuweilen gar nicht so eindeutig ist: Einige Mobile hatten nämlich mehrere Spitznamen, so z.B. der Messerschmitt Kabinenroller, der nicht nur als "Käseglocke", sondern auch als "Schneewitchensarg" bezeichnet wurde. "Schneewittchensarg" hieß wiederum auch der legendäre Volvo P 1800 ES. 

Jedes der beschriebenen Automobile wird in einer großformatigen und kunstvollen sowie hervorragend reproduzierten Zeichnung dargestellt, der dazugehörige Spitzname durch ein ebenfalls gezeichnetes Symbol verdeutlicht. Zweifellos lebt dieser Band von den wirklich gelungenen Illustrationen des Zeichners Helge Jepsen, deren Anblick Freude bereitet. Es hätte auch das Konzept dieses Buchs durchbrochen, neben die Zeichnungen noch zusätzlich Fotos der Automobile zu platzieren. 

Auf einen Fehler sei dennoch hingewiesen: die Zeichnung zum von 1960-1964 unter dem Spitznamen "Badewanne" produzierten Ford Taunus 17 M zeigt tatsächlich das Nachfolgemodell, das unter Bezugnahme auf die sogenannte "Badewanne" den Namen "Große Wanne" trug. 

Nur kurz nach dem Buch "99 automobile Klassiker und ihre Spitznamen" ist auch der vergleichbare Band über 99 Rennsportfahrzeuge und ihre Spitznamen erschienen. In wirklich herrlichen Kunstwerken werden 99 Rennwagen aus allen Bereichen des Automobilsports gezeigt und unter ihren zum Teil volkstümlichen Bezeichnungen beschrieben. Die Zeichnungen sind auch in diesem Folgeband ausnahmslos ein reines Vergnügen und geben die prachtvollen Boliden in der Außenansicht teilweise sehr detailliert wieder. Die Texte gehen sowohl auf die Technik als auch knapp auf die Renneinsätze der Wagen ein und erläutern die Herkunft der zuweilen recht ausgefallenen Bezeichnungen.

Am stärksten ist Porsche mit nicht weniger als 21 Autos vertreten, vom 356 B über diverse 911-Varianten, den Bergspyder und allein fünf 917 bis zum 935. Ferrari und MercedesBenz steuern jeweils sieben Modelle bei, BMW und Chaparral findet man vier Mal. Aber auch ganz ausgefallene Marken wie Ensign, Ligier oder AAR Eagle erfahren eine Würdigung. Das Spektrum reicht von der Formel 1 über Sportwagen und Indycars bis zu einigen Stock Cars der NASCAR-Serie. 

Das ist Motorsportgeschichte, von Michael Köckritz unterhaltsam erläutert an so interessanten Begriffen wie "Entenbürzel", "Batmobil", "Biest von Turin", "Fliegender Ziegelstein", "Moby Dick", "Rosa Sau" oder "Witwenmacher", um nur beispielhaft einige der Spitznamen zu erwähnen. 


99 automobile Klassiker und ihre Spitznamen 
99 automobile Rennklassiker und ihre Spitznamen 

Autoren: Helge Jepsen (Zeichnungen), Michael Köckritz (Text) 
Verlag: teNeues Verlag, Kempen, 2016
Format: Hardcover, 27,5 x 27,5 cm 
Umfang: 208 Seiten, 99 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 49,90 
ISBN: 978-3-8327-3466-4 bzw. 978-3-8327-3467-1 

Überall im Handel erhältlich

Rezension Thomas Nehlert „Walter Röhrl – Querlenker – Eine Zeitreise in Bildern“ - Autor: Wilfried Müller, Verlag McKlein Publishing, 2017

Er hat vier Mal die Rallye Monte Carlo gewonnen – auf vier verschiedenen Fabrikaten; er ist Perfektionist. Ihm sind der Wirbel um seine Person und Lobeshymnen ein Gräuel. Viele Motorsportfans stufen seine Fahrzeugbeherrschung höher ein als das Können aller Formel-1-Piloten und liegen damit wohl nicht so falsch. Walter Röhrl hat dem internationalen Rallyesport über Jahrzehnte seinen Stempel aufgedrückt wie kein anderer Fahrer. Jetzt ist er 70 Jahre alt geworden; ansehen tut man ihm das nicht, Anlass für ein wundervolles Buch ist dies jedoch allemal.

McKlein Publishing und die Edition Porsche Museum haben sich – nach dem epochalen Werk über Peter Falk zum zweiten Mal – zusammengetan und einen ohne Einschränkungen zu empfehlenden Band herausgebracht. Schon der Titel eröffnet treffliche Interpretationsmöglichkeiten: "Querlenker" - das Teil aus der Fahrwerkstechnik, das beim Rallyefahren zweifellos beträchtlichen Belastungen ausgesetzt ist, zugleich aber auch die Bezeichnung für den Fahrer, der ein Rallyeauto wie kein Zweiter virtuos bei hohem Tempo zentimetergenau auf abgesperrtem Rallyegeläuf quer durch die Kurven lenkt. Und phonetisch kommt man vom Querlenker geradezu zwingend zum Querdenker. Und ein solcher ist Walter Röhrl ebenfalls: Wie er Motorsport und Naturverbundenheit mit klarem Verstand unter einen Hut bringt, wie er unaufhaltsame Entwicklungen des Zeitgeists aus seiner Erfahrung heraus in Frage stellt – das macht deutlich, dass der Regensburger Rallyefahrer weit über den Tellerrand eigenen Handelns hinausschaut. 

Für die Vielschichtigkeit der Persönlichkeit des Walter Röhrl hat das vorliegende Buch eine perfekte Form der Darstellung gefunden. Wenn es auch als "Zeitreise in Bildern" tituliert ist, so ist es doch sehr viel mehr als ein reiner Bildband. Den Kernstück des im attraktiven Querformat gehaltenen Buchs stellt der sich über 190 Seiten erstreckende Teil "Röhrl von A bis Z" dar, in dem unter 127 alphabetisch geordneten Stichworten das Leben des Ausnahmemotorsportlers kaleidoskopartig gespiegelt wird. Die Begriffe sind dabei höchst unterschiedlicher Natur, wie die nur beispielhaft herausgesuchten Stichworte zeigen: Aerodynamik und Afrika, Beifahrer Röhrl und Biest, Eifel Rallye Festival und Entdeckung, Golf und Gruppe S Audi, Kadett GT/E und Kussmaul, Lancia und Le Mans, Maß-voll und Monika, Oak Green Metallic und Orange, Schnitzer und Stuck oder schließlich Weltmeister und Wut. Auf diese Weise werden die Motorsportkarriere Röhrls, sein späteres Wirken bei Porsche und auch sein Privatleben abgedeckt. Der Leser erfährt auch viel über Röhrls ausgeprägte und sehr eigene Auffassungen – dieser Mann ist in der Leistung imposant und dennoch im Auftreten bescheiden, er ist von klarer Sicht und doch offen für Neues und Anderes. Und ist es nicht herrlich, wenn in einer Zeit, in der der Fahrer im Alltagsbetrieb von seinem Auto die autonome Fortbewegung beansprucht, ein Mann wie Röhrl von den Porsche 911 der 1970er Jahre schwärmt, die ihrem Fahrer noch Konzentration und Können abverlangten?

Hervorgehoben werden muss bei dieser ungewöhnlichen Biografie folgendes: Das Buch ist in der Museumsedition von Porsche entstanden, es gibt somit auch die besondere Beziehung Röhrls zu dem Stuttgarter Unternehmen wieder. Bis heute ist der Regensburger nicht nur Markenbotschafter, sondern wirkt auch an der Entwicklung neuer Porsche-Modelle mit. Porsche war schon sein Kindheitstraum, der sich durch spätere Renn- und Rallyeeinsätze und heute durch seine aktuelle Tätigkeit zu 100% realisiert hat. Diese Verbindung Röhrl-Porsche ist Gegenstand des ersten 24seitigen Kapitels "Leidenschaft verbindet". In dem nachfolgenden großen Stichwort-Katalog sind zwar auch Ereignisse und Verbindungen zu Porsche enthalten, aber diese dominieren nicht. Im Gegenteil – den großartigen Erfolgen Röhrls mit anderen Fabrikaten wird angemessen breiter Raum gegeben, sei es mit Audi, Fiat, Lancia oder Opel. Und auch seine Fahrten mit Ford oder BMW finden Berücksichtigung. 

Die abschließenden 36 Seiten des Bandes beschreiben unter der Überschrift „1968 bis 1992: Ein Vierteljahrhundert Rallye und Racing“ die aktive Motorsportkarriere Röhrls in einem in sich geschlossenen Bericht und vermitteln dem Leser den Aufstieg dieses "Querlenkers" zum zweifellos vielseitigsten Motorsportler Deutschlands, der nicht nur Rallye-Europameister und zweimaliger Rallye-Weltmeister war, sondern auch für Porsche und Audi ebenfalls erfolgreich Rundstreckenrennen bestritten hat. 

Der Autor Wilfried Müller, auch schon für die Texte des Buchs über Peter Falk verantwortlich, hat tiefgehend recherchiert, lange Gespräche mit Walter Röhrl geführt und die zahlreichen Daten- und Literaturquellen des Historischen Archivs von Porsche gesichtet. Das Ergebnis ist faszinierend und liest sich hervorragend – sei es, dass man den Band in einem Zug von vorn nach hinten durchliest, sei es, dass man punktuell unter den Stichworten des zweiten Abschnitts schmökert. Nicht minder eindrucksvoll ist die Illustration mit über 300 Fotos aus nicht weniger als zehn Archiven. Der Großteil der Abbildungen stammt aus der unerschöpflichen Sammlung von McKlein, dem gigantischen und schon bei so vielen Buchprojekten hilfreichen Historischen Archiv von Porsche und aus der Privatsammlung Walter Röhrls. Die Fotos sind ausnahmslos von brillanter Reproduktion auf sehr gutem Mattglanzpapier, rund 100 Stück im großen Ganzseitenformat. Zum überwiegenden Teil sind sie erstmals veröffentlicht und zeigen sowohl einen ganz jungen als auch einen privaten Walter Röhrl, wie wir ihn bisher so noch nicht zu sehen bekommen haben.

 Außer der hier vorgestellten Ausgabe gibt es noch eine "Limited Edition" im Leinenschuber und von Walter Röhrl handsigniert, die sich zweifellos als besonderes Sammlerstück anbietet. 


Walter Röhrl – Querlenker – Eine Zeitreise in Bildern 

Autor: Wilfried Müller 

Verlag: McKlein Publishing Köln in der Edition Porsche Museum, 2017
Format: Hardcover, 30 x 24 cm Umfang: 256 Seiten, über 300 Abbildungen 
Text: Deutsch Preis: € 49,90; (Limited Edition € 89,90) 
ISBN: 978-3-927458-91-8; 
(Limited Edition 978-3-927458-92-5?

Rezension Thomas Nehlert „Ferrari 250 GTO – The autobiography of 4153 GT“ - Autor: Keith Bluemel, Great Cars 7, Porter Press International, GB, 2016

Wenngleich in der ersten Hälfte der 1960er Jahre die meisten Rennen der Sportwagen Weltmeisterschaft – die damals offiziell die etwas spröde Bezeichnung „Internationale GTMeisterschaft“ trug – von den sogenannten Prototypen gewonnen wurden, so blieb doch der Meisterschaftstitel den Grand-Tourisme-Fahrzeugen in drei Hubraum-Klassen vorbehalten. Dies waren zweisitzige Sportwagen, von denen eine gewisse Mindeststückzahl gebaut werden musste, damit sie als GTs homologiert werden konnten. 

Ferrari stellte zwischen 1962 und 1964 nicht einmal vierzig Exemplare des legendären 250 GTO her, eines 3-Liter-Rennsportwagens mit einer Motorleistung zwischen 295 und 302 PS. Drei dieser Fahrzeuge hatten sogar 4 Liter Hubraum und hätten deshalb eigentlich 330 GTO heißen müssen, drei kamen für die Saison 1964 in einer etwas abgewandelten Karosserieform auf die Rennstrecken. Es war dementsprechend ein sehr ausgesuchter Kundenkreis, dem Enzo Ferrari die Ehre zuteil werden ließ, einen der damals 18.500,- $ teuren GTO zu erwerben. In aktuellen Auktionen historischer Rennwagen erzielte ein 250 GTO den atemberaubenden Preis von 38 Millionen Dollar, was einer Wertsteigerung von 205.400 % in 50 Jahren entspricht! Dass der GTO überhaupt als GT homologiert wurde, ist der Argumentation Ferraris zu verdanken, dass es sich bei diesem Rennwagen um eine zusätzliche Variante des Straßensportwagens 250 GT handelte; denn das Reglement verlangte an sich eine Stückzahl von mindestens 100 produzierten Fahrzeugen. 

Keith Bluemel als einer der renommiertesten Ferrari-Kenner widmet sein opulentes Buch dem 250 GTO mit der Chassis-Nummer 4153, der als einer der ersten im Jahre 1962 hergestellt worden war. Das in der Farbe „pale metallic grey“ lackierte Fahrzeug gab gemessene 305 PS ab, trug mittig in Längsrichtung einen Streifen in den Farben der französischen Trikolore und wurde am 28. Dezember 1962 an den französischen Rennfahrer Pierre Dumay ausgeliefert. Bluemel dokumentiert haarklein die Historie dieses GTO mit allen Renneinsätzen von 1963 bis 1965 sowie auch die späteren Rennen von 1966 bis 1969. Nach den ersten drei Jahren wechselte der durch die Strapazen der zahlreichen Rennen gezeichnete GTO für gerade einmal 1.600 $ den Eigentümer – angesichts des heutigen Wertes schlicht unvorstellbar. 1970 zahlte der nächste Erwerber dann immerhin 3.000 britische Pfund. Anschließend wechselte die Sportwagen-Ikone mehrfach den Eigentümer, bis schließlich Christian Gläsel das Sammlerstück erwarb und der „Gläsel Family Collection“ einverleibte. Ihm gelang es auch, den Ursprungsmotor des 4153 GT wieder aufzutreiben, der seit 1964 seinen Dienst in einem anderen GTO verrichtet hatte, so dass 2011 Ursprungskarosserie und Ursprungsmotor wiedervereinigt werden konnten. Auf den sehr seltenen Treffen der Ferrari 250 GTO kann man den nun auch wieder silbergrau lackierten Rennsportwagen in seiner ganzen Pracht bewundern. 

Neben mehreren durchaus bemerkenswerten Resultaten in den Jahren 1963 und 1964 verbuchte der Ferrari mit der Nummer 4153 GT seinen zweifellos größten Erfolg mit dem Sieg bei der Tour de France Automobile im September 1964. Auf rund 60 Seiten wird dieser rallyeartige Lauf zur Markenmeisterschaft sehr detailliert beschrieben. 24 Seiten sind der bis in die technischen Einzelheiten gehenden grandiosen farbigen fotografischen Wiedergabe des 4153 GT vorbehalten. Die besondere Stärke des Buchs liegt auch darin, dass Bluemel sich nicht auf die Geschichte dieses einzelnen GTO beschränkt, sondern die Faszination der Markenweltmeisterschaft der Jahre 1963 bis 1965 noch in Erinnerung ruft. Dies war zwar die große Zeit des Ferrari GTO und insbesondere auch der von Sieg zu Sieg fahrenden Ferrari-Prototypen; es war aber auch die Zeit des Einstiegs der Ford Motor Company in die Sportwagenrennen. Bevor nämlich die mächtigen Ford GT nach zwei Jahren des Misserfolgs ab 1966 das Kommando bei den Langstreckenrennen übernahmen, war bereits der Texaner Carroll Shelby mit seinen von Ford-V8-Motoren angetriebenen Shelby Cobra bei den GT-Fahrzeugen gegen die Ferrari GTO angetreten. Insbesondere die Saison 1964 – die auch Gegenstand des vorliegenden Buchs ist – war über alle 12 in der großen GT-Klasse ausgetragenen Rennen ein erbitterter Kampf, den schließlich die GTO nochmals kanpp für sich entscheiden konnten, bevor sie sich 1965 den Shelby Cobra und insbesondere dem Cobra Daytona Coupé geschlagen geben mussten.

So schlägt Bluemel noch einmal dieses begeisternde Kapitel des Automobilsports auf und geht zudem auf die Entwicklung des GTO aus der Ferrari-Baureihe 250 ausführlich ein, wobei er auch die Rolle des "Vaters des GTO", Giotto Bizzarrini, würdigt. Das Buch ist in sechs Abschnitte und insgesamt 20 Kapitel gegliedert; ein Anhang befasst sich mit den dem 4153 GT nachgebildeten Modellautos. 18 inhaltliche Einschübe knappen Umfangs porträtieren die Rennfahrer, die sich am Steuer dieses GTO betätigt hatten, beschreiben einige Rennkurse sowie den Ferrari 250 LM als Mittelmotor-Nachfolgemodell, den Enzo Ferrari vergeblich versucht hatte, als GT homologieren zu lassen. 

Einfach überwältigend ist die Illustration des hervorragend verarbeiteten und auf schwerem Mattglanzpapier gedruckten Buchs. Über 360 Abbildungen, teilweise im großen Format, lassen den Betrachter noch einmal in die Welt der großen Sportwagenrennen der Jahre 1963 bis 1965 eintauchen. Es ist beeindruckend und sicher mit großem Bearbeitungsaufwand verbunden, über 50 Jahre alte Fotos in einer so guten Qualität zu reproduzieren. Actiongeladene Rennaufnahmen, Fotos von technischen Details, stimmungsvolle Bilder vom Rande des Geschehens und die Wiedergabe von Datenblättern fügen sich gelungen zusammen und vermitteln einen einzigartigen Eindruck von einem legendären Rennwagen, der mit seiner aktuellen Wertentwicklung fast alle Rekorde schlagen dürfte. 

Es gibt zahlreiche Bücher über den Ferrari 250 GTO, dieser Band von Keith Bluemel zählt auf jeden Fall zu den besten. 


Ferrari 250 GTO – The autobiography of 4153 GT 
Autor: Keith Bluemel 
Verlag: Porter Press International, GB, 2016 
Format: Hardcover, 24 x 29 cm 
Umfang: 320 Seiten, über 360 Abbildungen 
Text: Englisch Preis: € 74,90 
Erhältlich: www.racingwebshop.de

Rezension Thomas Nehlert: „Hallo Fahrerlager Classic: Nostalgische Geschichten aus der Welt des Automobilsports“ – Autor: Rainer Braun, McKlein Publishing Köln, 2015

Der renommierte Motorsport-Journalist Rainer Braun hat sich in so vielfältiger Weise betätigt, dass man ihn ohne Übertreibung als eine Institution des deutschen Motorsports bezeichnen kann: Er war Rennfahrer, er hat die deutsche Formel V maßgeblich mitbegründet, er hat sich in der Industrie für den Motorsport engagiert und sich an unzähligen Rennstrecken als Streckensprecher betätigt, er hat zahlreiche junge Rennfahrer unterstützt und mit seiner Förderung zu so manch großen Karriere seinen Beitrag geleistet, er hat zahlreiche Bücher verfasst - zum Beispiel über Stefan Bellof, Klaus Ludwig und den Ford-Motorsport - , und er hat in fast allen namhaften MotorsportZeitschriften seit den 1960er Jahren seine Artikel, Kolumnen und kritischen Analysen publiziert. Schließlich sollen auch die unzähligen TV-Übertragungen der unterschiedlichsten Rennserien, die er so unvergleichlich kommentiert hat, nicht unerwähnt bleiben; am besten sind natürlich seine Berichte von der "alten" DTM auf 3sat in Erinnerung. 

Seine überaus beliebte Buchreihe "Hallo Fahrerlager" hat er nach drei Ausgaben im kompakten Format Ende 2015 mit diesem großen Band "Hallo Fahrerlager Classic" gekrönt. In insgesamt zwanzig Kapiteln gibt Rainer Braun wieder seine Hintergrundkenntnisse und Insidererlebnisse preis - immer spannend, zuweilen belustigend, manchmal aber auch nachdenklich machend. Wer kann sich noch an die Mannschaft des früheren Autoherstellers Glas als kleines Werksteam erinnern, wer hat noch die Geschichte des Eiffelland-Teams in der Formel 1 im Kopf, und wer kann noch die Erfolgsgeschichte des Ford Capri RS im Tourenwagensport erzählen? All das ist für Braun kein Problem. Der Leser wird auf beeindruckend vitale Weise in das Renngeschehen vor 40 oder 50 Jahren zurückversetzt. Aber der Autor schwelgt nicht nur in frühen Erinnerungen. Seine Betrachtungen reichen bis in die Gegenwart - sei es die Wiederauferstehung der DTM, an der Braun maßgeblich mitgewirkt hat, oder die Jubiläumsveranstaltung "50 Jahre Formel V" auf dem Norisring im Jahr 2015. Da er in der Formel V von jeher eine ganz entscheidende Rolle gespielt hat, ist es kein Wunder, dass er in diese seinerzeit elementare Nachwuchsklasse des Motorsports einen besonders ausführlichen und ins Detail gehenden Einblick gibt. 

Herrlich sind Rainer Brauns Beschreibungen der teilweise abenteuerlichen Arbeitsplätze für Reporter an den Rennstrecken und der kleinen Belastungsprobe für den Familienfrieden, wenn er ein Wochenende bei Rennübertragungen vor dem Fernseher verbringt. So wie die spannenden und heiteren Begebenheiten zum Motorsport gehören, so muss man aber auch an die tragischen Momente erinnern. Und Rainer Braun macht dies - persönlich sehr betroffen - mit bewegenden und einfühlsamen Worten über Gerhard Mitter, Rolf Stommelen, Harald Ertl, Manfred Winkelhock und Stefan Bellof, um nur einige der Weggefährten zu erwähnen, die er im Laufe eines Lebens im Motorsport verloren hat. 

Der vorliegende Band unterscheidet sich nicht nur in Umfang und Gestaltung von den bisherigen "Hallo Fahrerlager"-Ausgaben, sondern erlaubt aufgrund des großen Formats auch eine erheblich reichhaltigere Illustration erstklassiger Qualität. Braun hat sein eigenes Archiv geöffnet und begeisternde Fotos aus den über 50 Jahren seines Wirkens zutage gefördert. Hier wird tatsächlich vieles erstmals veröffentlicht, und der Betrachter meint die Atmosphäre vergangener Rennen noch einmal zu spüren. Die teilweise großformatigen Fotografien sind in der von McKlein Publishing gewohnten Qualität reproduziert. Das Buch ist bestens verarbeitet und auf hochwertigem Papier gedruckt. 

"Hallo Fahrerlager Classic" ist in zwei unterschiedlichen Ausgaben erhältlich. Neben der Standardausführung gibt es auch die sich mit Sicherheit zu einem Sammlerstück entwickelnde "Edition 500", die vom Autor signiert und auf 500 Exemplare limitiert sowie durch einen Schuber geschützt ist.

Thomas Nehlert

Hallo Fahrerlager Classic – Nostalgische Geschichten aus der Welt des Automobilsports

Autor: Rainer Braun
Verlag: McKlein Publishing, Köln, 2015
Format: Hardcover, 28 x 24 cm
Umfang: 288 Seiten, über 400 Abbildungen
Text: Deutsch Preis: € 59,90
Edition 500: € 89,90
Vertrieb: Überall im Buchhandel und über RacingWebShop.com

Rezension Thomas Nehlert "Porsche 911 – The Ultimate Sportscar as Cultural Icon" - Autor: Ulf Poschardt, Die Gestalten Verlag Berlin, 2017

Wenn es ein Automobil gibt, dass zu diesem Blog "Buch, Kultur und Lifestyle" passt, dann ist es der Porsche 911. In seiner nun mehr als fünfzigjährigen Existenz hat sich dieser Sportwagen tatsächlich zu einem Kulturgut entwickelt. Sein formales und technisches Konzept scheint unsterblich zu sein. Kein anderes Auto hat eine derart stringente und kontinuierliche Entwicklung erlebt und ist dabei sich selbst so treu geblieben wie der Elfer. Gewiss haben zum Beispiel BMW 3er und Mercedes E-Klasse ebenfalls eine beeindruckende Modellhistorie aufzuweisen, und den traumhaften Ferrari 488 GTB kann man mit etwas Großzügigkeit auch als vorläufigen Höhepunkt der dem Dino der 1960er Jahre entspringenden Baureihe ansehen. Aber all diese Produkte haben im Laufe der Zeit Stilbrüche und Charakterverschiebungen erlebt – der Porsche 911 war, ist und bleibt immer ein Elfer. Er ist wohl das einzige Auto, das in seiner Fortentwicklung seine eigenen Entwicklungsingenieure, seine Kunden und seine Fans überleben wird. Wer einen Audi, BMW oder Mercedes steuert, wer einen VW, Opel oder Ford fährt, der wird bei all diesen zweifellos guten Autos bemerkenswerte Unterschiede wahrnehmen, aber eben auch feststellen, dass sie sich in vielen Eigenschaften auch sehr ähneln. Beim Porsche 911 ist das anders, dieser Sportwagen sieht nicht nur anders aus, er fährt auch anders, er verhält sich anders – er ist schlicht einzigartig. 

Es ist kein Wunder, dass es über eine automobile Ikone wie den 911 unzählige Bücher gibt, nämlich rund 200 Titel. Dabei ist es ein fast aussichtsloses Unterfangen, das umfassende und alle Varianten, Entwicklungen, technische Daten und Motorsporteinsätze berücksichtigende Werk zu erstellen. Denn spätestens ein Jahr nach Erscheinen ist so ein Buch überholt, weil nämlich Porsche die Fortentwicklung des 911 und die Baureihenerweiterung in einem solchen Tempo betreibt, dass die Literatur damit nicht Schritt halten kann. Selbst solche „911-Bibeln“ wie die Bücher von Paul Frère/Tony Dron, Tobias Aichele oder Jörg Austen haben ihr „Verfallsdatum“ ganz schnell überschritten. Wenn ein Autor noch einen Band über den 911 verfassen will, dann muss er sich einer anderen Herangehensweise bedienen. Ein derartiges „anderes“ Porsche-911-Buch ist die vorliegende Publikation von Ulf Poschardt. 

Ulf Poschardt ist seit 2016 Chefredakteur der „Welt“. Er ist ein Vollblutjournalist, der in erster Linie über politische und gesellschaftspolitische Themen schreibt, interessant und – journalistisch selbstverständlich – zuweilen auch polarisierend. Poschardt ist auch Urheber des Autoblogs „PS Welt“. Und er ist bekennender Porsche-Fan und Porsche-Fahrer, er liebt den 911. So war es nur konsequent, dass er zum 50. Geburtstag der Stuttgarter Sportwagenlegende 2013 ein Buch über den Elfer schrieb. Das war ein schlicht gestalteter, von den Abmessungen her kleiner Band mit dem Titel "911". Kein Buch voller technischer Daten, keine detaillierte Typologie – vielmehr ein an der Entwicklungsgeschichte ausgerichtetes Bekenntnis zu Deutschlands bemerkenswertestem Automobil. 2017 gibt es die englische Ausgabe dieses Buchs. Das ist aber viel mehr als nur ein in eine andere Sprache übertragenes Druckwerk, es ist ein in Layout und Gestaltung vollständig neues Buch. Entsprach die deutsche Ausgabe in ihrer reduzierten Form eher dem Ur-Elfer von 1963 bis 1972, so ist das vom Berliner Verlag "Die Gestalten" herausgegebene englische Pendant formal eher ein Elfer der Baureihe 993, auf Chic und Kraft bedacht, aber doch nicht so raumgreifend wie die aktuelle Serie des 991. 

Nach zwei Abschnitten, die sich mit dem Lebenswerk Ferdinand Porsches und der Unternehmensgeschichte bis zum 356 befassen, folgen sieben Kapitel zum 911 – für jede Modellgeneration eines. Vom Urelfer über das G-Modell, den 964 und den 993 bis zu den wassergekühlten 996, 997 und 991, wobei hervorzuheben ist, dass sogar schon die Baureihe 991-2 berücksichtigt wird. Der Autor berichtet in zwei Strängen: da ist zunächst einmal die Darstellung der unterschiedlichen 911-Modelle mit interessanten Überlegungen zur jeweiligen Entwicklung, da ist aber zusätzlich auch ein Eintauchen in die Welt der Porsche-Fahrer in ihrer ganzen Vielschichtigkeit. Gerade insoweit ist der Band viel mehr als ein Autobuch, er wird zu einem – wenn auch begrenzten – Spiegelbild der Gesellschaft mit all ihren Wünschen, Schwächen und Eitelkeiten über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren. Wer ist nicht alles der Faszination des Elfers verfallen – Herbert von Karajan, Udo Lindenberg, Reinhard Mey, Justus Franz, Jerry Seinfeld, Magnus Walker, Steve McQueen, Iris Berben, aber auch Boris Johnson oder gar Andreas Baader. Bei einigen ging die Liebe zum Elfer so weit, dass sie gleich zu Markenbotschaftern von Porsche wurden wie Richy Müller, oder gar an der Entwicklung des 911 maßgeblich mitwirkten wie Walter Röhrl. Und so lange wie der 911 inzwischen gebaut wird, ist er inzwischen auch Bestandteil ganzer Familiengeschichten, wenn sich die Begeisterung der Väter auf die Söhne und auch Töchter übertrug. Deshalb ist es auch keine Übertreibung, wenn der Autor als Untertitel des Buchs die Bezeichnung "The Ultimate Sportscar as Cultural Icon" gewählt hat.

So lesen sich nicht nur die teilweise essayistischen Texte spannend, informativ, unterhaltsam und abwechslungsreich, es begeistert zusätzlich die Illustration des Buchs. Mit rund 135 Fotografien ist sie von der Quantität her maßvoll, umso prachtvoller ist die Qualität. Das Spektrum der Abbildungen reicht von Reproduktionen aus Prospekten über Sequenzen aus dem Porsche-Motorsport und die Darstellung einiger prominenter Porsche-Kunden mit ihren Fahrzeugen bis zu hervorragenden Aufnahmen der Silhouetten der verschiedenen Entwicklungsstufen. Insbesondere diese Bilder ermöglichen einen interessanten Vergleich des Porsche-Designs in den jeweiligen Epochen. Für mich ganz persönlich – wie übrigens offenbar auch für Ulf Poschardt – gibt es keinen schöneren Elfer als die letzte Baureihe des so genannten G-Modells: Porsche 911 Carrera 3.2 Coupé – der "goldene Schnitt" des Porsche schlechthin. 

Das Layout des Buchs ist überaus gelungen, die Verarbeitung und die ungewöhnliche und angenehme Haptik überzeugen genauso wie Druck und Bildreproduktion auf wertvollem Papier. Sicherlich kein Buch für den reinen Technik- und Statistik-Liebhaber, aber ein Buch, das die Idee und den Geist des Porsche 911 wahrhaft erfasst und schon deshalb selbst bei den alteingesessenen so genannten "gusseisernen" Porsche-Fans Gefallen finden sollte. 

Übrigens ist neben dieser repräsentativen englischen auch die schlichter gestaltete deutsche Ausgabe weiterhin erhältlich. 


Porsche 911 – The Ultimate Sportscar as Cultural Icon 
Autor: Ulf Poschardt 
Verlag: Die Gestalten Verlag GmbH, Berlin, 2017
Format: Hardcover, 21,5 x 26,5 cm 
Umfang: 240 Seiten, 137 Abbildungen 
Text: Englisch Preis: € 35,-- 
Überall im Handel erhältlich 
Deutsche Ausgabe im Klett-Cotta-Verlag, 2013, 
296 Seiten, 12 x 20 cm, Preis € 22,95

Rezension Thomas Nehlert: "Jeff Gordon – His Dream, Drive & Destiny" – Autor: Joe Garner, Jeff Gordon Inc., 2016

Mit vier Meisterschaftstiteln, 93 Rennsiegen und 805 Starts zählt Jeff Gordon zu den vier erfolgreichsten Rennfahrern des NASCAR Cups. Sein Rücktritt vom Rennsport hinterlässt eine Lücke, die nicht einmal von seinem Freund, dem inzwischen siebenmaligen Titelträger Jimmie Johnson, vollkommen ausgefüllt wird. Denn Gordons Bedeutung und Verdienst gehen weit über seine Karriere als Racecar Driver hinaus. Sein viele Millionen Dollar schweres soziales Engagement für krebskranke Kinder und bedürftige ältere Menschen in den USA und für das Center for Global Cancer Medicine in der dritten Welt kennzeichnet ihn als einen weltoffenen Amerikaner mit Blick weit über die eigenen Grenzen hinaus, der im besten Sinne "open minded" und ohne Übertreibung eine echte Lichtgestalt ist.

Aus Anlass des Endes seiner Rennfahrerkarriere hat der namhafte Journalist der "New York Times", Joe Garner, diese Biografie verfasst. Garner konnte dabei auf eine sehr vertrauensvolle Unterstützung durch Gordon bauen, so dass dieses Buch die einzige von dem aus Kalifornien stammenden Rennfahrer autorisierte Biografie ist, die auch erkennbar seinen persönlichen Einfluss erkennen lässt. Das Vorwort stammt von Tom Cruise, einem bekennenden NASCAR-Fan, der in dem legendären Film "Days of Thunder" die tragende Rolle des Rennfahrers Cole Trickle gespielt hatte. Einer von Jeff Gordon selbst verfassten Einführung folgen 14 Kapitel, die den Lebensweg und die Laufbahn von Jeff Gordon voller Details und überaus spannend dokumentieren. 

 Jeff Gorden
Foto: Thomas Nehlert
Das fängt bei der Kindheit Gordons und den schwierigen Umständen im Haus seines leiblichen Vaters - dem er übrigens äußerlich wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelt - an und setzt sich über die Entwicklung bei seinem Stiefvater John Bickford und seiner Mutter Carol Gordon fort. Bickford unterstützte Gordons motorsportliche Ambitionen von früher Kindheit an. Ausführlich wird sein Aufstieg von den Quarter Midgets über die Sprint Cars und die Midgets beschrieben. Schon als Fünfjähriger konnte Jeff seine ersten Rennsiege erzielen, im zarten Alter von acht Jahren gewann er die nationale Meisterschaft der Quarter Midgets. Es folgte der Aufstieg in die Busch Series, die quasi als zweite Liga der NASCAR Stock Car Rennen anzusehen war. Im Ford-Team von Bill Davis gelangte er auch dort schnell zu Ruhm, bevor er zur Saison 1993 zu Hendrick Motorsports wechselte und fortan mit seinem Crewchief Ray Evernham im Chevrolet der NASCAR Cup Series für Jahre seinen Stempel aufdrückte. 1995, 1996, 1998 und 2001 wurde Gordon Meister. Anschließend verpasste er das Ziel weiterer Titelgewinne aus den unterschiedlichsten Gründen, u.a. aber auch aufgrund des 2004 eingeführten Chase-Systems, das das über eine gesamte Saison erbrachte Leistungsbild zuweilen auf den Kopf stellt. Ausführlich wird auch Gordons letzte volle Rennsaison 2015 mit all ihren emotionalen Höhepunkten bis zu seinem letzten Sieg in Martinsville und dem berührenden Festakt auf der NASCARJahresabschlussfeier beschrieben. Zudem erfährt Gordons von fast beispielloser Großzügigkeit geprägtes soziales Engagement, das ihm den höchsten Respekt der US-Präsidenten Clinton und Obama einbrachte, eine angemessene Würdigung. 

Joe Garner geht nicht nur auf die Rennen von Gordon ein, sondern auch sehr ausführlich auf das Hintergrundgeschehen. So erfährt man die Motive und Gründe für den Wechsel zu Hendrick Motorsports und über Gordons Emotionen in diesem Zusammenhang. Ebenfalls werden die Überlegungen zur Auswahl der Ray Evernham nachfolgenden Crewchiefs beschrieben. Man erhält auch einen Einblick in den durch Gordon geförderten Aufstieg Jimmie Johnsons. Und schließlich erfährt der Leser auch sehr deutlich und nachvollziehbar, welche Erwägungen zum Karriereende Gordons als Rennfahrer führten. Dabei kommt durchgehend auch Jeff Gordon selbst zu Wort, so dass sich das Buch fast als Autobiografie des Kaliforniers liest und ein kaum zu übertreffendes Maß an Authentizität vermittelt. Inhaltlich endet das Buch auf dem Stand von Dezember 2015, so dass natürlich die acht Rennen, in denen Gordon 2016 noch einmal in Vertretung des erkrankten Dale Earnhardt Jr. ins Lenkrad griff, keine Berücksichtigung mehr finden konnten. Übrigens ist das Buch auch aus anderem Grund nicht mehr ganz aktuell, denn Jeff Gordon fügte seinen zahlreichen Erfolgen Ende Januar 2017 zusammen mit drei anderen Piloten noch einen Triumph bei den 24 Stunden von Daytona hinzu, die er mit einem Cadillac-Prototypen für sich entscheiden konnte.

In den unzähligen Gesprächen mit dem Autor hat sich Gordon sogar auch zu seinen privaten und familiären Verhältnissen geöffnet. Man erfährt zahlreiche Einzelheiten über sein Elternhaus, über die schwerwiegenden Probleme in seiner ersten Ehe, die unschönen Umstände seiner Scheidung und das erkennbare Glück, das er seit Jahren mit seiner zweiten Ehefrau, der Belgierin Ingrid Vandebosch, gefunden hat. Und deren zwei Kinder Ella und Leo sind nicht nur der ganze Stolz der Eltern, sondern auch – wie in den USA üblich – häufig Bestandteil der öffentlichen Auftritte Jeff Gordons. 

Ich habe selten eine Biografie gelesen, die einen so tiefgehenden Einblick in die Karriere und das Privatleben eines berühmten Rennfahrers gewährt. Garner versteht es bestens, durch flüssige Schreibweise und spannende Aufbereitung den Leser so mitzureißen, dass man die knapp 200 Seiten des Buchs nach Möglichkeit in einem Zug durchliest. Den inhaltlichen Abschluss des Buchs bildet eine persönliche Beschreibung der zehn Lieblingsrennstrecken Gordons. 

Das Layout des Bandes finde ich persönlich sehr gelungen, die Verarbeitung ist gut, das hochwertige Mattglanzpapier bildet eine hervorragende Grundlage für die einwandfreie Reproduktion der insgesamt etwas über 260 Fotos. 18 Aufnahmen, darunter einige eindrucksvolle Porträtbilder, sind ganzseitig, zahlreiche Ablichtungen sind allerdings auch in sehr kleinem Format gehalten. Dabei ist aber auch Folgendes zu berücksichtigen: Es war erkennbar ein Anliegen Jeff Gordons, der auch mit einer eigenen Gesellschaft Herausgeber des Buchs ist, eine Biografie zu präsentieren, die sich schon aufgrund des günstigen Preises jeder Fan leisten kann. Das sollte eben kein gewaltiger Luxusband werden, sondern eine im DIN A4 Format wirklich ausreichend große Dokumentation seiner Laufbahn mit eindeutigem Schwerpunkt auf der Textwiedergabe. Dies ist in vollem Umfang gelungen, selbst wenn eine zumindest auf Gordons wesentliche Erfolge beschränkte Rennstatistik fehlt.

Thomas Nehlert

Jeff Gordon – His Dream, Drive & Destiny 
Autor: Joe Garner 
Verlag: Jeff Gordon Inc., 2016 
Format: Hardcover, 21 x 29 cm 
Umfang: 192 Seiten, über 260 Abbildungen 
Text: Englisch Preis: € 36,45 
Vertrieb: Bei den großen internationalen Online-Buchhändlern